Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 4 (Januar 1931)
- Article
- Eine jüdische Gemeindeorganisation in Breslau zu Beginn des 18. Jahrhunderts
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 2)
- Language
- German
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Miszellen da er dort der Juden aller Orte, in denen er weilte, gedenkt und ihnen für die Gaben, die ihm zuteil geworden sind, dankt. Den Namen der Länder und Städte gibt er schmückende Beiwörter, die den Eindruck, den der gegebene Ort auf ihn gemacht hat, näher bezeichnen sollen. Dieser Eindruck bezieht sich zunächst nur auf den jüdischen Teil der Städte, die er besucht hatte, und ist gleichsam pekuniärer Natur; er drückt damit aus, in welchem Maße man ihn unterstützt hat. So heißt z. 8. bei ihm Hamburg die Stadt, „wo vom Beutel Gold rinnt". Er erwähnt auch „Schlesien und seinen goldenen Becher Breslau" 13). Wir wissen nicht, ob Konki Breslau auf seiner ersten oder zweiten Europareise besuchte. Jedenfalls war er vor 1704 hier und nennt in Schlesien keine andere jüdische Gemeinde als Breslau (die Bezeichnung „goldener Becher" besagt, daß er viel Geld erhalten hat), obwohl es in anderen schlesischen Städten, z. B. Glogau, eine beträchtliche Anzahl von Juden gab14). Sein Urteil kann sich sicher nicht auf die Hauptstadt Schlesiens schlechthin beziehen, sondern nur auf die dortigen Juden. Dafür spricht die ganze Art seiner Einleitung. Abraham Konki erwähnt London, obwohl er dort nicht war, „weil sie ihm Geld nach Amsterdam gesandt hatten". Von Polen und hauptsächlich von der Ukraine zählt er nicht die Städte auf, die Zentren im politischen Sinne waren, sondern kleine Städte, in denen sich eine größere jüdische Bevölkerung befand. Die Erwähnung Breslaus in dieser Einleitung kann demnach als Beweis dienen, daß hier eine größere Anzahl von Juden, vielleicht diejenigen der Vorstädte mit inbegriffen, ansässig war. Dafür spricht noch ein Beleg in einer anderen Quelle, die ungefähr aus der gleichen Zeit stammt. In der Handschriftensammlung des Jewish Theological Seminary, New York, befinden sich Briefe der Vorsteher deraschkenasischen (deutschen) Juden in Jerusalem an die Juden der Diaspora mit 13) nam oiai nsrVo nana (6 a) sbosna i*) Vgl. I. Rabin, Vom Rechtskampf der Juden in Schlesien, Breslau 1927, S. 79. der Bitte um Unterstützung. Unter diesen Briefen ist auch einer an die Juden in Breslau gerichtet15), und zwar an die Führer der Juden in Breslau und an den an ihrer Spitze stehenden „Fürsten und Herrscher in Israel, Eleasar, den Schatzmeister der Heiligen Stadt Jerusalem"16). Auf der anderen Seite des Briefes befindet sich die Adresse „an die Vorsteher und Führer der Gemeinde in Breslau"17). In dem Briefe schildern die Vorsteher der Aschkenasim in Jerusalem die große Not, die in ihrer aus mehr als 400 Seelen bestehenden Gemeinde herrscht18). Sie bitten die Breslauer Juden, ihnen die Unterstützungsgelder zuzuschicken, wie sie es ihrem vor „mehrerenjahren" dort weilenden Gesandten Salomo b.R.Chajim Halevi versprochen hätten. Gleichzeitig drücken sie ihre Verwunderung darüber aus, daß das Palästina-Geld aus Polen, das durch die Breslauer Vorsteher weiter geschickt werden sollte, noch nicht eingetroffen sei. Der „Schatzmeister von Jerusalem, Eleasar," ist sicherlich der Münzjude Lazarus19). Aus diesem Brief können wir zwei Schlüsse ziehen: erstens müssen die Juden in Breslau eine Gemeindeorganisation besessen haben, da der lö) Vgl. Reschumoth (hebr.), Bd. IV, Tel Awiw 1926, S. 318 ff., und meinen Aufsatz in der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland, Breslau 1929, Nr. 18. 16) mawn nn bmw *sto* »wn wi nmpsn bv *Tn* Va nv tra'oan wr\p W naa* xVojnn p"pa nVuo tonai nosün im naa niwnai D^m nata TOrt* bucvm 17) [ahrsp In] »vm [nteVran p"pa wn »rnaa *ons mVsraV im in Va *froana ♦'Vrosna yt 1S) Ueber die Lage der Aschkenasim in Jerusalem vgl. D. Kaufmann in „Jerusalem" ed. Luncz IV 1892, S. 25 f. (hebr. Teil), und Riwkind in Reschumoth ibid., S. 302 f. ") Brann, a. a. O., S. 22 ff. 302