Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 4 (Januar 1931)
- Article
- Eine jüdische Gemeindeorganisation in Breslau zu Beginn des 18. Jahrhunderts
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 4)
- Language
- German
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kann keine spätere Zeit als 1705/1706 gemeint sein, und somit haben wir den Beweis, daß schog zu jener Zeit in Breslau eine angesehene jüdische Gemeinde mit einer festen Gemeinde- Organisation bestand. B. Weinryb. Zu S. 117 dieses Jahrgangs verweist Dr. M. S p a n i e r - Magdeburg auf Seite 7 seiner „Geschichte der Juden in Magdeburg" (1923), wo es heißt: „Wenn Neufeld meint: ,In Magdeburg ist sogar außer der Judensiedelung im Judendorf noch eine zweite gemeinsame Siedelung innerhalb der Stadt auf dem ,Kleiderhof< erwiesen', so ist das sicherlich irrig. jKleiderhof war eine Bezeichnung für ein Haus, das sich wahrscheinlich, nach einer Mitteilung des Stadtarchivars Dr. Neubauer, in der nächsten Nähe des Alten Marktes hinter der jetzigen Hauptwache befand, worin die Juden zur Marktzeit ihren Kleiderhandel betrieben, ohne dauernd dort ansässig zu sein." Karl Bucher Der kürzlich verstorbene Leipziger Nationalökonom gehörte mit Mone, Gengier, Stobbe und Roscher zu denjenigen christlichen Gelehrten, denen hinsichtlich der Erforschung der Geschichte der Juden im deutschen Mittelalter besondere Verdienste zukommen. Bei all diesen Männern war die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte nur eine Nebenleistung. Trotzdem tragen auch diese ihre Forschungen den Stempel ihrer Persönlichkeit. Insbesondere gilt das von der eigenwilligen Kraft Karl Büchers. Seine Neigung, von der reinen Welt der Tatsachen und Ziffern zur geschichtlichen Erkenntnis vorzustoßen, war eine große Tat, und deren Methode ist innerhalb vieler geschichtlicher Zusammenhänge durchaus zweckvoll. Niemand hatte vor ihm die Welt des Mittelalters mit Einschluß der jüdischen von der Bevölkerungsstatistik her zu erfassen gesucht, wie er es in seinen Arbeiten über Frankfurt a. M. und Basel getan hat. Bei aller Würdigung dieses großen Verdienstes macht aber gerade die Anwendung dieser Methode auf die jüdischen Verhältnisse ihre Grenzen deutlich. Die Erkenntnis der zentralen Tatsachen der jüdischen Geschichte bleibt für die nur ökonomische Betrachtung verschlossen. S t r a u s. Naelmchten P15ui<^ Adolf Warschauer, dessen 75sten Geburtstag unser letztes Heft ankündigte, ist am 26. Dezember 1930 nach langem Leiden aus dem Leben geschieden. Unsere Zeitschrift verliert in ihm einen sachkundigen, verständnisvollen Förderer, der sich warm für ihre Herausgabe eingesetzt und vom ersten Augenblick an seine Mitwirkung zugesagt hat. Warschauers wissenschaftliche Arbeiten sind längst eingeordnet in den Bau unseres Wissens um die Geschichte des deutschen Ostens. In dem Maße, wie ihre Ergebnisse in die gegenwärtige historische Erkenntnis eingebaut sind, gehören diese Arbeiten selbst der literarischen Vergangenheit an. Das ist das Schicksal der wertvollen wissenschaftlichen Leistung — und es war Warschauers Stolz —, daß der kunstgerecht behauene Stein im Bau seinen wichtigen und richtigen Platz finde und die Erkenntnis des Autors zur Erkenntnis der Allgemeinheit werde. Für die jüdische Geschichte sind seine Arbeiten gerade deshalb von besonderem Wert, weil der Blick, auf ein größeres Ganzes eingestellt, ihn 304