Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 4 (Januar 1931)
- Article
- Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 16)
- Language
- German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judensassen in den deutschen Städten. schon im 13. Jahrhundert vorkommen18), gilt, je weiter nach dem Osten umso mehr, der Steinbau im Gegensatz zum vorherrschenden Holzbau als Ausnahme (Not. 17, 18, 23). Dies galt sicher auch für die Juden. So wohnte auch der Besitzer eines solchen Steinhauses in Braunschweig bemerkenswerterweise nicht mit den anderen in der Judengasse (Not. 19). Die als Beginn des Massivbaues angesehenen Steenwerke, Steinkammern (Stiehl: „Wohnbau", S. 152. Keussen: „Topogr.", SS. 97*98*) treten, uns auch in den jüdischen Häusern entgegen. Es ist der zunächst isoliert erbaute, heizbare Raum des Hauses: die Kemenate, das „Winterhaus". Dieser in den Kölner Urkunden vorkommende Ausdruck (Not. 8 u. 14) findet sich in jüdischen Quellen öfter (vgl. Vogts, a. a. O., S. 79: „Camera hiemalis"), sowohl in den von Berliner zitierten mittelalterlichen Responsen (Not. 41) als auch bei dem Hause des Rabbi Meir von Rothenburg (Not. 4) und wird auch im 17. Jahrhundert noch gebraucht (Denkwürdigkeiten der Glückel Hameln, S. 200). Wenn die Annahme, daß der romanische Keller in der Kölner Judengasse früher ein oberirdischer Raum war, zutrifft (Not. 3), dann könnte es sich hier wohl um ein sehr frühes Beispiel einer Steinkammer handeln. Im Zusammenhang mit den Steinkammern entstehen wohl auch die Schorn-« steine, die erst ein verhältnismäßig junger Bestandteil des Wohnhauses sind, bei einigen jüdischen Häusern in Köln und auch in Wien (Urkunde v. 1372, Schwarz, „Wien" S. 90) ziemlich früh erwähnt werden (Not. 15). Außer dem Winterhause wird auch das „Sommerhaus" erwähnt. Ob die Erklärung, die Berliner für den Ausdruck „Sommerhaus" gibt, nämlich die eines Vorbaues nach der Straße, zutrifft, ist unsicher. In Köln verstand man unter „Sommerhaus" z. B. die im Garten oder auf der Rheinmauer errichteten Gartenhäuschen (Vogts, a. a. O., S. 87), und Rabbi Meir von Rothenburg bezeichnet das Obergeschoß als Sommeraufenthalt. Vielleicht hängt diese Verschiedenheit mit dem unterschiedlichen Gebrauch des Wortes „Laube" oder lobium, den Keussen (Topogr., S. 106*) mitteilt, zusammen; danach bedeutet „lobium" in Köln das Obergeschoß des Hauses, das in Frankfurt „Gaden" genannt wird, während anderwärts die überdeckten Vorplätze „Lauben" genannt werden, wofür in Köln der Ausdruck „Halle" gebräuchlich ist. Beim kleinen, zweiräumigen Haus, bei dem der Vorderraum für Geschäftszwecke und der Hinterraum als Küche und Wohnraum benutzt wird, ist eine Scheidung nach Sommerhaus und Winterhaus nicht denkbar. Handelt es sich aber um ein größeres Haus, dann ist wohl an eine wechselnde Benutzung zu denken, auf welche die Anlage des Pallas, der Halle im Obergeschoß der alten Schloß bauten, wenn nicht der im Orient übliche Aufenthalt auf dem flachen Dach abgefärbt haben sollte. Im norddeutschen, aus dem niedersächsischen entstandenen Hause wird die große, nach hinten liegende Diele „Sommerhaus" genannt. Für die Beurteilung des Wohlstandes und des Aufwandes besonders bezeichnend ist die Ausstattung der Räume im Inneren. Nach den vorhandenen Notizen kann man von einer besonderen üppigen Ausstattung schwerlich sprechen. Wenn man sieht, wie ängstlich der Regensburger Rabbiner sein noch dazu als außergewöhnlich kostbar geschildertes Festzimmer verbirgt (Not. 42), und daneben die äußerst bescheidenen Räume auf den Bildern der Hagadot ebenso wie der Spottschriften betrachtet, so muß man sagen, daß es im 15. Jahrhundert, aus dem diese Quellen stammen, mit der Behaglichkeit, die* Berliner den jüdischen Wohnungen von altersher zuschreibt19), jeden- «) Stiehl: „Wohnbau", S. 143. 19) Berliner: S. 19. 299