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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 297

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1931-01-01
Page
Seite 297 (sequence 14)
Language
German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten Dache8), gemeinsame Grenzmauern (Not. 10) oder gemeinsame Dachrinnen genannt werden (Not. 11). War doch die Erbleihe gerade die vorherrschende Form jüdischen Grunderwerbs9). Kommt hierzu die praktische oder rechtliche Erschwerung von Grunderwerb außerhalb der Judengasse, so füllen sich vorhandene Lücken bald mit Häusern, und unter besonders beengten Verhältnissen, wie in Frankfurt am Main, entstehen als Folge der übermäßigen Belegung der Grundstücke Hinterhäuser, Anbauten, Aufstockungen, Dachaufbauten, zur Unterbringung einer ganzen Zahl von Familien in einem Hause, das auf dem Grundriß des Einfamilienhauses aufgebaut ist (Vgl. Not. 40). Ganz ähnliche Formen entstanden auch außerhalb der Judenviertel etwa in den hohen, schmalen Häusern im Kölner Marktviertel oder im Krämerviertel in Aachen10), aber jedenfalls mehr unter dem Anreiz der höheren Rente als unter dem Zwang der Wohnungsnot. Eine ähnlich dichte Bebauung und Raumausnutzung, wie sie die Frankfurter Judengasse notgedrungen zeigte, dürfte in Frankfurt selbst sonst nicht stattgefunden haben. Nach den Darstellungen der Merianschen Stadtansicht scheinen kaum irgendwoanders die hohen Dachfirste so in zusammenhängender Reihe parallel der Straßenfront aufzutreten wie in der Judengasse11). Die Teilung von Häusern (Not. 12) in Köln bis zu 1/700 sind z.T. rein besitzrechtlicher Natur und als solche wohl nicht nur bei Juden üblich gewesen. Aber auch die praktische Teilung von Häusern und Räumen12) zur Unterbringung einer starken Belegung wurde, wenn nötig, bis zum äußersten durchgeführt (Frankfurt a. M., Glogau, Not. 33—35). Aehnliche Verhältnisse wie in Frankfurt und Glogau mögen z.B. auch in Avignon bestanden haben13). Daß dieses bienenstockmäßige Zusammenhausen nur eine Folge der dringenden Not war, zeigen die wesentlich weiträumigere Grundstücksausnutzung der Wiener Judenstadt an der Wipplingerstraße (Not. 25—28) und noch viel mehr die Beispiele des Judenviertels im unteren Werd (Not. 29—32) mit ihren Höfen, Gärten und Stallungen (Vgl. Abbildungen bei Schwarz: „Wien"). Soweit nicht durch den Platzmangel ein Größenmaximum diktiert wird, zeigen sich naturgemäß die sozialen Verhältnisse in Größe und Ausstattung der Häuser. Indessen scheinen mir die außergewöhnlich großen Häuser ebenso Ausnahmen zu sein wie außergewöhnlich winzige Hütten. Die frühen Wohnhäuser muß man sich allerdings allgemein sehr bescheiden vor- 8) Kober: „Grundbuch", S. 51. 9) ebda, S. 41. 10) Hans Bisegger: „Das Krämerviertel in Aachen", Aachener Beiträge f. Baugesch. und Heimatkunst. Aachen 1920. S. a. die schmalen Häuser unter den Breslauer Fassadentypen bei P. Ehmig, a. a. O., Abb. 154 S. 192. Baudenkmäler Frankfurt III, Fig. 32, 57, 168. 12) Die Benutzung der Hausgeschosse durch mehrere Parteien im 13. Jahrh. geht auch aus einem bei Moses Hoff mann: „Geldhandel der deutschen Juden", S. 219, berichteten Streitfall hervor. S. a. die Hausteilung bei Eberstadt, a. a. O., S. 38. 13) Vgl. Dubnow: „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" V, S. 287. 297

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