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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 272

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Die Münchener Judenschaft 1750-1861
Date
1931-01-01
Page
Seite 272 (sequence 11)
Language
German
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Arthur Cohen. Die Münchener Judenschaft 1750—1861 Der nächstbedeutende jüdische Finanzier dieser Periode ist Jakob Hirsch, geboren 1765 in Königshofen bei Würzburg31); seit 1800 in Ansbach, 1818 geadelt, wurde er 1821 Königlicher Hofbankier in München. Sein Schwiegersohn war Israel, später Josef Hirsch Pappenheimer, Sohn des Seite 267 genannten Hirsch Lipmann P., Administrator (Vorstandsmitglied) der 1815 entstandenen israelitischen Kultusgemeinde in München. Er beteiligte sich an den Anleiheoperationen seines Schwiegervaters (Hümmert, S. 17). Auch Abraham Uhlfelder (vgl. S. 267), vor der Gründung der israelitischen Kultusgemeinde „Deputierter" (Parnaß) der Münchener Judenschaft (seit 1805), gestorben 1813, gehörte zu den Gläubigern des bayerischen Staates (Hümmert, S. 20). Beide, Pappenheimer und Uhßelder, waren auch an den Heereslieferungen für den bayerischen Staat 1809 und 1810 beteiligt (Hümmert, SS. 30, 33). Es fehlte nicht an einer — wenn auch in ihrer Art unwillkommenen — amtlichen Anerkennung der finanziellen Bedeutung der Münchener Judenschaft für Stadt und Staat: Als 1805 die bayerische „Landschaft" eine Zwangsanleihe zu Kriegszwecken ausschrieb und von der Stadt München 25 000 fl. forderte, legte der Magistrat davon 6000 fl., also beinahe ein Viertel auf die Münchener Judenschaft um. Es kamen übrigens nicht nur Spitzenleistungen in finanzieller Beziehung, wie vorhin solche erwähnt worden sind, vor, sondern, wie dies bei Kriegswirren zu geschehen pflegt, auch kleine und kleinste „Kriegsgewinnler" fehlten nicht. Die jüdische Einwohnerschaft Münchens, die 1798 220 Personen betragen hatte (s. o. S. 263), wurde 1802 vom Stadtmagistrat32) auf über 300 angegeben. Nach dem Montgelas'schen „Jahresbericht" für 1811—1233) betrug in diesem Verwaltungsjahr die Anzahl der Juden in München 380 (37 geschützte, 27 tolerierte Familien). Zum Teil bestand dieser Zuwachs aus eingewanderten Juden. Dies geht aus einer mündlichen Vorstellung hervor, welche Hirsch Pappenheimer, Abraham Uhlfelder, Isaak Marx am 17. August 1801 vor dem Stadtrichter (zugleich Verwaltungsbehörde) vorbringen34): In München halten sich eine Menge fremder Juden auf, welche gelegentlich des Krieges im Gefolge der beiderseitigen Armeen hierher kamen und hier sitzen blieben. Die Handlungen dieser fremden Juden werden meistens auf ihre (der „eingesessenen" alten Münchener Judenfamilien) Rechnung gesetzt, das Publikum meint, daß sie mit ihnen unter einer Decke stecken, sie wollten aber mit diesen und allen fremden Juden keine Gemeinschaft haben. Einen Antrag stellten sie nicht. Noch ausführlicher ist eine Eingabe einer jüdischen Deputation (Abraham Uhlfelder, Isaak Marx u. a.) vom 2. März 181235): Teils durch die französische Armee, teils infolge der neuen Zollordnung (wahrscheinlich weil sie mehr dem Freihandel zuneigte) ist eine Menge unberechtigter Handelsleute auch von unserer Nation36) zugezogen. Aus bloßem 31) Hümmert, S. 16. — Vgl. auch Bayr. Isr. Gemeindeztg. 1929, N. 20, 22; 1930 N. 17. 32) Quelle der Anm. 4 zit Akt, N. 153. 33) Beiträge zur Statistik des Kgr. Bayern, Heft 86, S. 215. 3±) Quelle der Anm. 4 zit. Akt. N. 151. 35) Quelle der Anm. 4 zit Akt, N. 154. S6) Es braucht den Lesern dieser Zeitschrift nicht gesagt zu werden, daß „Nation" damals eine andere Bedeutung hatte wie heute. 272

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