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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 271

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Die Münchener Judenschaft 1750-1861
Date
1931-01-01
Page
Seite 271 (sequence 10)
Language
German
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Arthur Cohen. Die Münchener Judenschaft 1750—1861 Phasen seines Entwicklungsprozesses materiell wirksam unterstützt und somit zur Entstehung des modernen bayerischen Staates nicht unwesentlich beigetragen. (Soweit Hümmert.) Nun beziehen sich diese Aeußerungen Sundheimers und Hümmerts auf das damalige Bayern, auf den bayerischen Staat als solchen, denn sie haben sich zur Aufgabe gestellt, die finanziellen Beziehungen zwischen dem bayerischen Staat und den Juden (ohne Beschränkung auf die bayerischen Juden oder gar auf die Münchener Juden) zu untersuchen. Für eine Arbeit, wie es die unserige ist, kommt es darauf an, wie weit sich die Ergebnisse Sundheimers und Hümmerts auf die Münchener Juden beziehen. Diese Frage läßt sich nicht leicht beantworten, weil das Lokalgeschichtliche keinen der beiden Autoren sonderlich interessiert und sich daher die zur Beantwortung dieser Frage notwendigen Daten bei ihnen nicht immer finden. Das Geschäft war damals eine Angelegenheit des einzelnen oder der Familie, es hatte sich noch nicht in der Weise wie heute in einer Firma mit einer bestimmten Niederlassung objektiviert. Ihre Finanzgeschichte ist Personen- oder Familiengeschichte, noch nicht (oder noch nicht durchwegs) Firmengeschichte. Trotz der relativen Seßhaftigkeit der Münchener Juden, wie wir sie oben schon für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts konstatiert haben, waren die Finanzgeschäfte der Juden nicht lokal beschränkt, und so finden wir ein beständiges Hin und Her, aber auch als Resultante eine konzentrische Bewegung nach den Orten und Gegenden, wo sie ein gutes Fortkommen gefunden hatten oder erwarten durften. Der finanziell bedeutendste Münchener Jude, seitdem der Stern der Wertheimers und Mandls verblichen war, war ohne Zweifel Aaron Elias Seligmann29). 1747 in Leimen bei Heidelberg geboren30) (das damals zur Rheinpfalz gehörte), kam er erst in höheren Lebensjahren ins rechtsrheinische Bayern, sein Aufstieg erfolgt aber erstaunlich schnell. Schon 1799—1802 finden wir ihn als Generalentrepreneur der bayerischen Armee, deren Gesamtverpflegung er übernommen hatte (Sundheinier, S. 299, vgl. auch S. 306/7). 1801 und 1802 negozierte er eine Dreimillionen-Gulden-Anleihe für den bayerischen Staat. Weitere Anleihen folgten 1804 und 1808 (Hümmert, S. 14), 1804 wurde er Hofbankier. Als solcher hatte er die Außen Vertretungen des bayerischen Staates mit Geldmitteln zu versehen (internationales Wechselgeschäft). 1814 erhielt er, nachdem er mit seiner Familie zum Christentum übergetreten war (Hümmert, S. 29), den Adel als Frh. v. Eichthal (nach seinem Gute in Maria-Eich bei München). Die Firma A. E. von Eichthal, wie sie nun hieß, war auch an der bekannter* Rothschildschen Wechselarbitrage im Jahre 1815 im Konsortialgeschäft (mit dem bayerischen Anteil von 600 000 Pfund) beteiligt (Hümmert, S. 28). Aaron Elias Seligmann, nun Baron Eichthal, starb 1824. Ihm folgte sein Sohn Simon. Er ist der Hauptgründer der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München 1834. (Die Geldgeber jüdischer Herkunft zeichneten 63 Prozent des Aktienkapitals — Hümmert, S. 40 — von 10 Millionen Gulden.) Ein anderer Sohn Ludwig (gest. 1840) war Gründer des durch Emission von Eisenbahnwerten bekannten Bankhauses Louis d'Eichthal in Paris. 29) Vgl. auch oben S. 267. so) Hümmert, S. 13. 2* 271

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