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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 267

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Die Münchener Judenschaft 1750-1861
Date
1931-01-01
Page
Seite 267 (sequence 6)
Language
German
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Arthur Cohen. Die Münchener Judenschaft 1750—1861 In diese Periode fallen auch die Anfänge *des Hauses Seligman aus iLeimen bei Heidelberg, von dem Aron Elias, später v. Eichthal, der bedeutendste ist. Im Verzeichnis von 1750 werden zwei Hoffaktoren namens Seligmann aus Leimen bei Heidelberg, wahrscheinlich nur zu vorübergehendem Aufenthalt, erwähnt. Einer anderen Familie Seligmann scheint Löb Seligmann aus Schnaittach anzugehören, dem 1778 das Hoffaktorspatent erteilt wird, in Anbetracht der sowohl zum Münzamt in Amberg gemachten Silberlieferungen als auch der in Kriegszeiten „viele Jahre aufgehabten großen und importanten Transportierungen" (N. 127). Er war geboren 1742 (1798 56 Jahre alt), zog aber erst 1793 nach München („5 Jahre in M."). Leicht scheint er es nicht gehabt zu haben, aber „eigentliche Judenkniffe" konnten ihm nicht zur Last gelegt werden (Prot, von 1799, Ziff. 12). Ebenso bedeutend als Geschäftsmann wie Aaron Elias Seligmann aus Leimen (später Baron Eichthal) war Isaak Seligmann Straßburger18) von Weißenburg. Er wird 1798 verzeichnet als 40 Jahre alt und als 3 Jahre in München anwesend, weil „Geschäfte mit dem Staat seine Anwesenheit erfordern; er hat Lieferungen zum Kontingent (Reichsarmee) und andere Entreprisen mit dem Staat". (Ueber Aaron Elias Seligmann weiter unten Näheres.) Auch der bei Sundheimer, S. 291 genannte Löb Amschel Levy aus Schnaittach (der jüngere) wird im Verzeichnis von 1788 erwähnt. Er hatte seit sieben Jahren die Proviant- und Fouragelieferungen für die kurfürstlichen Truppen in Pacht und war nicht beständig in München. Sein Konkurrent (Sundheimer, S. 292) Moses Gallinger aus Mannheim zog beim Regierungsantritt Karl Theodors (1777) 40jährig nach München, behielt aber seine Beziehungen zu Mannheim bei (1788: „Abschickung vieler Waren nach Mannheim"). Von den jüdischen Familien, die erst im 19. Jahrhundert stärker hervorgetreten sind, seien hier noch genannt: Hirsch Lipmann Pappenheimer aus Fürth war 1788 49 Jahre alt und 26 Jahre in München. Er war also 1739 geboren und 1762 nach München gekommen. Sein Vater war Rabbiner in Pappenheim. Seine Geschäfte scheinen sehr vielseitig gewesen zu sein. Er handelt mit Juwelen und Pferden, liefert zur Münze und verkauft Wechselbriefe (1798). Sein Vermögen bestand damals in 2000 fl. bar, Waren 20 000 fl., Forderungen 50 000 fl., zusammen 70 000 fl., er scheint also der reichste Münchener Jude gewesen zu sein. Die Familie wird von der Polizei als „sehr ordentlich" bezeichnet, (lieber seinen Sohn Israel s. S. 272.) Abraham Uhlfeider war 1788 40 Jahre alt und seit 10 Jahren in München. Er war also 1748 geboren und 1779 nach München gezogen. Vermögen 1798 20000 fl. Er hat „dem Staat durch verschiedene Unternehmungen große Dienste geleistet" (1798). Die Familie Marx wird erst 1798 erwähnt. Jakob Marx von Treuchtlingen, 40 Jahre alt, also 1758 geboren, Hoffaktor seit 1789, handelte 1798 mit Juwelen, Pretiosen und Münzen. Er war bereits sehr vermögend (Juwelen 20 000, Forderungen 30000 fl.). Gegen ihn war „ganz und gar nichts zu erinnern". Seine Söhne hießen Lipmann und Aaron. Raphael Kauila von Hechingen war 1798 erst kurze Zeit in München. Er handelte mit Galanteriewaren und Pferden. Er wird als „ein vermöglicher (20—22000 fl.) und gar ordentlicher Mann" geschildert. Er war Schwiegersohn von Hirsch Lipmann Pappenheimer (s. o.). Man sieht, daß die Münchener Juden ausschließlich Geschäftsleute (oder ehemalige Geschäftsleute) waren. Eine Ausnahme macht nur Simon aus Geldern, dem am 24. Mai 1783 auf seinen Antrag „ein offenes Paßport unter Befreiung von Leibzoll" bewilligt wurde mit der Begründung: „Simon ist zwar ein Arzt (er trieb also nach der damaligen Anschauung ein Gewerbe), aber zugleich ein Liebhaber der!8) Sundheimer, SS. 265, 298, 307. — Die Vermutung Sundheimers, SS. 298 und 306, daß Aaron Elias Seligmann und Seligmann Straßburger Brüder gewesen seien, ist durch nichts begründet. 267

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