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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 265

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Die Münchener Judenschaft 1750-1861
Date
1931-01-01
Page
Seite 265 (sequence 4)
Language
German
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Arthur Cohen. Die Münchener Judenschaft 1750—1861 Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß die Münchener Juden schon damals solche spezifisch jüdischen Erwerbe pflegten, die man als „gehobene" bezeichnen darf. Es scheint vor allem der Bedarf des Fürsten und der Aristokratie gewesen zu sein, der sie nach München lockte. Lieferungen zum Heer, zur Münze, aber auch von Luxusartikeln für den persönlichen Bedarf stehen im Vordergrund. Daß aber diese Art von „Warenhandel" eng mit dem ebenfalls ziemlich stark vertretenen „Geldhandel" zusammenhing, ist eine Erscheinung, auf die in der Literatur schon öfters hingewiesen worden ist8). Im Verzeichnis von 1798 finden sich bei den einzelnen Einträgen neben polizeilichen Qualifikationen9) auch Vermögensschätzungen, denen vielleicht Selbsteinschätzungen zu Grunde lagen. Auf 38 Einträge fallen 26 mit Vermögensangabe. 6 werden als arm ekler vermögenslos bezeichnet, 4 haben ein Vermögen von 2—300 Gulden, 1 von 1000, 3 von 2000, 3 von 3—6000, 3 von 8—10 000, 1 von 12—15 000, 2 von 20—22000 (Kaulla, Uhlfeder), 1 von 30 000, 1 von 50 000 (Marx), 1 von 72 000 fl. (Pappenheimer). Hierbei scheint aber nur das Aktivvermögen berücksichtigt zu sein, nicht die etwaigen, sicher zum Teil bedeutenden Geschäftsschulden, die in Abzug zu kommen hätten. Auch der Grad der Einbringlichkeit der einen guten Teil des Vermögens bildenden Wechsel und Forderungen scheint unberücksichtigt geblieben zu sein, daher die häufig vorkommende Formel: „Wenn Papier Geld ist", d. h. auf Geld lautende Dokumente dem Barbetrag gleichgesetzt. Immerhin zeigen auch diese Bekundungen, daß die Münchener Juden im allgemeinen schon damals sich in einem gewissen Wohlstand befanden, der über das Durchschnittsniveau (bei den Juden) hinausging, ja, daß sie zum Teil als recht wohlhabend, wenn nicht reich bezeichnet werden können. Es dürfte nicht uninteressant sein, die Schicksale einzelner dieser jüdischen Familien zu verfolgen, namentlich derjenigen, die in das Wirtschaftsleben bedeutungsvoll eingegriffen haben, besonders da auch schon in der Literatur die Beziehungen des bayerischen Herrscherhauses zu jüdischen Geschäftsleuten Gegenstand interessanter Feststellungen geworden sind10). Die angesehenste jüdische Familie Münchens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren zweifellos die Wertheimers. Die Familie Wertheimer stammte aus Wien und hatte dort schon eine finanziell bedeutsame, ja glänzende Vergangenheit hinter sich11). Nächst Samuel Oppenheimer war sein Neffe Simson 8) Z. B. Jüd. Lexikon, Art. Geldhandel (Handel mit verfallenen Pfändern). 9) Meist in der Fassung: „ist ein ruhiger, ordentlicher Mann", oder „nichts zu erinnern" (zwölf Einträge). 10) In der eingehenden, auf gründlichen Studien in bayerischen Staatsarchiven beruhenden Abhandlung von bundheimer, T)ie jüdische Hochfinanz und der bayerische Staat im 18. Jahrhundert (Finanzarchiv, hrsgg. von Schanz, 1924, S. 1 ff., 259 ff. Ich zitiere nach der durchgehenden Paginierung). S. bringt leider fast nichts Biographisches. ") Mensi, Die Finanzen Oesterreichs 1701—40, Wien 1890; Grunwald, Samuel Oppenheimer und sein Kreis (Qu. u. Forsch, z. Gesch. d. Juden in Oesterreich, hrsgg. v. d. isr. Kultusgemeinde Wien, 5. Bd.); Taglicht, Die Nachlasse der Wiener Juden im 17. u. 18. Jahrhundert (Qu. u. Forsch., wie vor, Bd. 7), Wien 1917. 265

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