Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Bekanntmachungen des Konsistoriums der Israeliten zu Kassel aus den Jahren 1808-1813
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 244 (sequence 3)
- Language
- German
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S. Steinberg. Bekanntmachunsen des Konsistoriums der Israeliten zu Kassel aus den Jahren 1808—1813 Weise, daß einer der Herren Vorsteher solchen der versammelten Gemeinde erst vorliest, oder ihn vorlesen, und dann ihn anschlagen zu lassen hat, wo jedermann ihn einsehen könne. Die Herren Vorsteher empfangen deshalb jedesmal zwei Exemplare, und haben das eine derselben, nachdem sie darunter bescheinigten, welchen Tag das andere der Gemeinde vorgelesen, und angeschlagen wurde bei sich aufzubewahren, damit solches mit dem ihm folgenden dieses Kollegiums zusammengeheftet werden könne. Königlich Westphälisches Konsistorium der Israeliten. J. Jacobson. L. M. Berlin, S. Kalkar, M. Steinart 3), D. Frankel, J. Heinemann. Merkel *), Sekretär. Kurz vorher hatten jedoch schon die Gemeinden folgende Drucksache erhalten: „Da auf den 15ten dieses Monats, als den Geburtstag unsers erhabenen und allergnädigsten Königs Hieronymus Napoleon, in den Kirchen und Synagogen des Königreichs ein feierlicher Gottesdienst angeordnet worden, so teilen wir Ihnen ein für diesen Tag abgefaßtes Gebet mit, indem wir Ihnen solches mit Zufügung der darunter bemerkten Psalmen — in Ihrer Synagoge halten zu lassen, hiermit auftragen. Cassel, den 10. November 1808. Königlich Westphäl. Consistorium der Israeliten (Namen fehlen). Gebet am Geburtstag unseres erhabenen und allergnädigsten Königs Hieronymus Napoleon den 15. November 1808. Gehalten in den Synagogen der Israeliten im Königreich Westphalen. Aus dem Hebräischen übersetzt. Ewiger und allgütiger Gott! Den ganzen Weltkreis umfaßt Deine Gnade, Deinen Ruhm verkünden alle Himmelsherrn, und wir Deine Kinder — ewig preisen wir Deinen Namen und danken Dir für Deine Güte, die Du uns erzeigt hast: Du Ewiger findest ja Wohlgefallen am Biedersinn, an dem Danke Deiner Frommen; denn so lehrtest Du uns durch Dein heiliges Gesetz, da Du den Tag, an welchem die Schöpfung Du vollendest, die Tage an welchen Du damals Deine unerforschlichen Wunder uns erzeigtest, zum steten Andenken einsetzest. — Du vergrößertest aber Deine Vatertreue, indem Du uns einem weisen und edlen Regenten, dem erhabenen Hieronymus "Napoleon anvertrautest, einem huldreichen Regenten, der das Flehen der Unterdrückten gern erhört, der das Wohl seiner Untertanen will, zu dem wir das Vertrauen hegen dürfen, daß er neuen Segen und neues Glück uns zufließen lassen wird; — so kommen wir dann an dem heutigen Tage, dem Geburtstage unseres erhabenen Regenten Hieronymus Napoleon Dir Ewiger! Dafür zu danken und unser Lob darzubringen, daß Du ihm Deine Güte zuteil werden ließest und in sein Heil auch das Unsrige legtest. Inbrünstig bitten wir dich, Ewiger und Erhabener! Sei du forthin sein Schutz, verleih ihm ein langes Leben, und laß Ihn der Jahre fernstes Ziel erreichen, daß er sich Deines Beistandes noch lange erfreue, und daß Er fortfahre die Quelle des Segens dem Lande zu sein, erhöhe den Glanz Seines Reiches und lasse das Glück Ihn immer begleiten. — Nimm unter Deine Obhut Seine erhabene Gemahlin, die Königin Catharina, von deren Lob das ganze Land ertönt, daß kein Unglück sich ihr nahe. Mögen Ihre Tage im Wohlsein dahin wandeln, möge Ihr Thron—der Sonne gleich — fest vor Dir, Ewiger! stehen. Verbreite Segen über die Minister und Räte und über alle treue Untertanen unseres erhabenen 3) 'Die drei Genannten waren Rabbiner. 4) Merkel war Staatsrat-Advokat. 244