Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Neue Kunde von der Marranen-Gemeinde in Hamburg
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 231 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Cecil Roth. Neue Kunde von der Marranen-Gemeinde in Hamburs Der erste Haham in Hamburg, der uns bisher mit Namen bekannt ist, war Isaac Athias aus Amsterdam, ein Schüler Isaac Uziels, der im Jahre 1622 von dort einen Ruf nach Venedig erhielt8). Wir sind* jetzt auf Grund von Bravos Bericht imstande, die Reihe noch weiter zurück zu verfolgen. Er erwähnt als den „Priester" der Gemeinde einen gewissen Roderigo de Merchena aus Lissabon, der bei seiner Rückkehr zum Judentum den Namen Abraham Cohen de Herrera angenommen hatte, und dessen Berufung sicherlich der des Athias vorangeht. Die Geschichte der Marranen-Siedlungen ist eng verknüpft mit Einzel- und Familiengeschichte. Hierzu liefert Bravo deshalb einen wertvollen Beitrag, weil er die Namen der vornehmsten portugiesischen Gemeindemitglieder in Hamburg zur Zeit seines Besuches aufzählt. Dies ist wahrlich nicht die einzige, aber vielleicht die wertvollste Liste dieser Art. Die von Riels veröffentlichte, die bedeutend länger ist, umfaßt die Namen aller damals in Hamburg wohnenden portugiesischen Kaufleute, darunter jedoch zweifellos vieler, deren Zugehörigkeit zum Judentum zweifelhaft ist oder deren Anhänglichkeit lau war. Andere Inquisitionslisten, die weiter unten behandelt werden, stammen aus einem Vierteljahrhundert später, als die Gemeinde über die abenteuerliche Aera ihrer Gründung hinaus war und wo andere Quellen zu Gebote stehen. Die von Bravo denunzierten Personen waren ihm alle bekannt als Menschen, die sich zum Judentum bekannten und ein geeigneter Gegenstand des Zornes der Inquisition waren. Es ist interessant festzustellen, daß Bravo annähernd 30 Familienväter erwähnt — genau die Zahl, die das Minimum zur Bildung des traditionellen Gottesdienstes in den drei erwähnten Synagogen ausmacht. Im ganzen gibt er 60 Einzelpersonen an, die wahrscheinlich nicht alle Mitglieder der Gemeinde waren, jedenfalls aber die prominentesten. Es sind dies: Ruy Fernandes Cardoso, Ludovico de Castro, sein Sohn, zwei weitere Söhne, Goncalo Cardoso und Frau, Diogo Alvarez und zwei Kinder, Rodrigo de Merchena (Abraham Cohen de Herrera) 8»), Alonso Nunes de Herrera und Frau, Joam Ribeiro, Joao Gomez, Ruy de Castro und Frau, Drei Brüder, Doktoren, Antonio Vas, Rodrigo Pires Brandäo, Manoel Frances, sein Bruder mit ihren Frauen und Kindern, 8) Kayserling, Bibliotheca Espanola-Portugueza-Judaica, S. 14. 8» Dieser Abraham Cohen de Herrera ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen bekannten Amsterdamer Kabbalisten; sein hebräisches Wissen war wahrscheinlich unzureichend für das Rabbinat, er führte vor seinem Uebertritt denselben Nachnamen wie später. 231