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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 220

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
Neuere geschichtswissenschaftliche und zeitgeschichtliche Literatur
Date
1930-10-01
Page
Seite 220 (sequence 3)
Language
German
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Raphael Strans. Neuere geschichtswissenschaftliche und zeitgeschichtliche Literatur. indem er die charakterologischen Gesetzmäßigkeiten festzulegen sucht „auf religiöser und naturwissenschaftlicher Grundlage und in Abhängigkeit von der Landschaft" 81). Es ergibt sich hieraus, daß — bei der unzureichenden Orientierung des Verfassers in geisteswissenschaftlicher Hinsicht — das Neuland nur teilweise mit Erfolg von ihm angebaut werden kann. Wenn man nun für die Erwartung, die der beziehungsreiche Untertitel der „Grundzüge" hervorruft, im Schluß des Buches Befriedigung sucht, so findet man in dieser theoretisch eingekleideten Arbeit ein Schlußkapitel „Praktische Folgerungen" und daselbst die Notwendigkeit dargetan, durch internationale Vereinbarung die Juden aus dem Völkerleben auszuscheiden (G. 155), obwohl das „rücksichtslose Härte" (G. 167) nötig macht. Im sachlichen Bestand scheint diese Forderung mit der Beilocschen übereinzustimmen. Blättert man vor diesem Schluß der Darlegung, in der wissenschaftliche Feststellung und Wunschbild einander finden wie in einem echten Roman, zurück, so sieht man, daß dieser Schluß in seltsamer Weise vorbereitet ist. In diesem Buch, dessen Titel die Festlegung allgemeiner Typen verheißt, wird von Anfang an nahezu alles in Relation zu den Juden gebracht, und so wenig jene Ausscheidung der Juden, wie sie am Schluß gefordert wird, in ihrer Spezialisierung der Verheißung einer allgemein geographischen Darstellung entspricht, sowenig wahrt bei ihrer Zuspitzung auf das speziell Jüdische die ganze Darstellung ihren typologischen Charakter. Schon das erste Kapitel mit seinen charakteristischen Unterabteilungen („Staats- und kulturerhaltende Kardinaltugenden, staatsfeindliche Charaktereigenschaften, Spaltpilzcharaktere") nimmt (G. 23) auf die „Sarten" Bezug, und die Theorie vom Sartencharakter, die dann (G. 99 ff. und J. 131 ff., ebenso L. 121 ff.) das Kernstück von Passarges geographischer Charakterlehre ist und in der „Antisarten"-Theorie ein nicht im Original geschautes, sondern nur als Gegenstück erdachtes Pendant erhält, „paßt zwar auf das Judenghetto nur teilweise" (G. 106), wird aber gleichwohl fast ausschließlich und in ständiger Wiederkehr gerade an den Juden demonstriert (G. 99, 102, 105, 107, 108, 109, 110, 111, 112, 118, 154, 163, 165), viel weniger an den Sarten selbst, den Armeniern und den türkischen Christenkolonien (G. 99, 102, 107 ff.), und dabei ist doch vorgeblich der Charakter der Sarten bezw. Armenier die Vorlage des Typenbildes. Ganz übergangen sind dagegen die Parsis, die mit mindestens ebenso viel Recht und wesentlich anderem Ergebnis die Grundlage dieser typologischen Betrachtung hätten abgeben können. Man findet hier einen ähnlichen Eklektizismus in der Auswahl des Quellenmaterials wie bei Belloc, muß aber denselben Mangel bei einem Gelehrtenwerk anders beurteilen. Obwohl also die Juden für den „Sarten-Charakter" nach Passarges eigener Meinung nicht repräsentativ sind, wird der Charakter der Juden nach dieser Theorie gedeutet Denn jene auf dieser Theorie aufgebaute tabellarische Charakterdarstellung (G. 110) ist nach Passarges eigener Erklärung den jüdischen Charaktermassen abgenommen, die „uns am besten bekannt sind — Armenier usw. sind wohl kaum anders" (G. 109). Die Methode ist in einem Maße unsauber und vermengt erfahrungsmäßige Beobachtung mit Splittern von Deduktion und Induktion in einer Weise, die auch mangelnder philosophischer Schulung hätte erkennbar sein müssen. Diese charakterologische Tabelle enthält nun bezüglich der Sarten — gemeint sind die Juden — eine Gegenüberstellung einerseits der Eigenschaften, die die Juden in Wahrheit haben, auch unter sich betätigen, andererseits derjenigen, die sie in „dauernder Verstellung" (G. 111) nach außen hin dokumentieren sollen. Aus dieser Gegenüberstellung sei hier nur einiges wenige wiedergegeben, und zwar solches, was von der Geschichtswissenschaft aus und nur von dieser beurteilt werden könnte; es werden gegenüber gestellt: Lautes Schreien nach Toleranz — bodenlose Unduldsamkeit Pazifismus mit Worten — Hinmordenlassen von Völkern (Cyrene, Cypern, Rußland). 31) Untertitel von G. 220

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