Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 214 (sequence 18)
- Language
- German
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Alexander Kathus. Studien über die bauliche Entwicklung: der Judensassen in den deutschen Städten In diesem Zusammenhange sei von der Beschreibung dieser Anlagen abgesehen und nur die planbildende Wirkung der Synagoge und des sie umgebenden Schulhofes untersucht. Die Judensiedlungen nach dem Vorhandensein eines besonderen Synagogenbaues in Judengassen und Judenvierteln zu unterscheiden, wie Gengier, Stadtrechtsaltertümer S. 102, es tut, erscheint mir nicht angängig. Selbstverständlich verfügten volkreichere Judensiedlungen über größere Gotteshäuser als kleine Niederlassungen. Das Vorhandensein eines Betraumes ist aber immer anzunehmen. Allerdings konnte für die Synagoge nur selten ein Platz an der Straße frei gehalten werden. Das war wohl nur bei der planmäßigen Anlage von Judengassen wie in Frankfurt a. M. oder der Wiener Judenstadt im unteren Werd oder unter ländlichen Verhältnissen wie in Offenbach möglich21). Im allgemeinen ist die Lage der Synagoge hinter der Häuserreihe charakteristisch und aus dem allmählichen Werden der 1285, Gemeindehaus, zum Abhalten von Hochzeiten bestimmt. („Judenschreinsbuch", S. 58). Braut- und Hochzeitshaus oder Speilhuz (Kober: „Grundbuch", S. 55). 1248, hospitale, 1308 Haus des Synagogendieners; dahinter ca. 1135/65 sinagoga, die Frauensynagoge, 1235 der Schulhof (westlich und nördlich davon) zu ihm 1315 der Torweg der Gemeinde; auf ihm und dem angrenzenden Jerusalemsgäßchen 1270-puteus J. und lapis lavatorius J. =beetstove (1344) (Kober: „Grundbuch" S. 87). Synagoge auch für die Ablegung von Eiden (Kober, a. a. O., S. 53). Badestube neben dem Backhaus (Kober, a. a. O., S. 55). Mainz, 1306, theatrum judeorum, „Judentanz", das kalte Bad. (S. Salfeld: „Mainzer Judenerben", Mainzer Zeitschr., XII, 1917, S. 19). Rothenburg, das sog. Judentanzhaus erst 1613 auf den Fundamenten der alten Judenherberge errichtet. (A. Merz, Rothenburg in alter und neuer Zeit, Ansbach 1881, S. 88). Ulm, 1499, Synagoge mit großem Hofe, Friedhof, Judenhospital, Judenbadstube etc. von der Reichskammer an die Stadt verkauft. (Nübling, S. 42). Wien, Judenstadt, ein Haus dem Schulhof zugekehrt. Verkaufsläden, Judenspital. Durchfahrt vom Schulhof in die Wipplingerstraße. 1423, Gemeindebesitz; Synagoge, Spital, Fleischhof, Judengarten, Friedhof. 1607, Gemeindescheune, abgebrochen mit andern heussel und zum Schulhof gemacht. 36 Ellen breit — 84 Ellen lang. Teil noch eines anderen Grundstückes für den Schulhof erworben 60y2x20y2 Ellen. Gemeinde errichtet auf einem Platz am Wasser: Gemeinderoßstall, Spital, Gemeindehaus. (Schwarz, "Wiener Ghetto, S. 213). Worms, Tanzhaus, Schulbad, Synagoge, Backhaus, Waschhaus. (M. Stern, Ein Copialbuch der jüd. Gemeinde in Worms, Zeitschr., I, 1887, S. 277 ff.). 21) Vglauch die Beschreibung des Dorfes Wieniawa bei Lublin. (Balaban: „Lublin", S. 80 u. Abb. S. 95). 214