Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 213 (sequence 17)
- Language
- German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten So entsteht als Folge der jüdischen Wirtschaftsstellung ein* Ab» zweig der Judensiedlung, die dadurch in vielen Fällen eine T-Form bekommt und beim Abschluß durch Tore deren drei erforderlich macht (Köln, Trier, Regensburg, Frankfurt a. M.). c) Von Bedeutung für die Gestaltung der Judensiedlung sind naturlich auch die für das Gemeindeleben und die Erfüllung der religiösen Vorschriften erforderlichen Bauten. Zu dem Gotteshaus (Schul Synagoge) und dem Bade treten je nach der Größe der Gemeinde die verschiedensten Anlagen wie Lehrhaus, Hospital, Schlachthaus, Backofen, Gemeindehaus (Tanzhaus), Wohnungen für die Rabbiner und Gemeindebeamten, Spritzenhaus usw.20). *°) Ans den Judensiedlungen einiger Städte sind nachstehend die neben Synagoge, Friedhof, Bad bestehenden Gemeindeanlagen notiert: Augsburg, 1290, Bad und Tanzhaus. (Leop. Steinthal: „Geschichte der Augsburger Juden im Mittelalter", Berlin 1911, S. 13). Erfurt, vor 1349, Spital, Badehaus, vier Fleischbänke, vier Synagogen, steinernes Tanzhaus. (Kroner: „Festschrift", S. 12/13). Das steinerne Haus, durch welches man zur Synagoge ging (Kroner, S. 16). „domus tripudialis" (Süßmann: „Das Erfurter Judenbuch", S. 37). Frankfurt a. M., 1362, Tanzhaus am Schulhofe. (Goldschmidt: „Rückkehr der Juden nach Frankfurt", Zeitschr., IL, 1888, S. 162). 1462, ein Tanzhaus, ein Hospital, zwei Wirtshäuser, ein Gemeindehaus („das gemeine Judenhuß, darinne der Fürsenger, schulklepper und secher — Schlächter — wonen", seit 1475 wohnt darin der Lehrmeister). Ein Nebenhäuschen für den Judenstudentenmeister. (Kracauer: „Judengasse Frankfurt", S. 309). Badestube, Brunnen (S. 310). Um 1600, um die Synagoge gruppieren sich: das kalte Bad, eine kleinere Synagoge, die 1603 errichtete Weiberschule, 1596 zwei Gemeindebacköfen hinter der Synagoge, die Garküche (S. 320). Um 1700, Tanzhaus auf der Seite der Synagoge 34—35 ' breit. Rabbinerhaus 35—34 9 breit. 1711, mit dem Aufbau der Synagoge in dem früheren Zustande Einrichtung der Amtsstuben für die Neuner und für die Baumeister (S. 343). Die Bauordnung verlangt die Verlegung des Hospitals und der Gemeindebacköfen um die Bewohner der AHerheiligengasse vor ansteckenden Krankheiten und belästigendem Rauch zu schützen. 1718, Errichtung der fünf Gemeindebacköfen und des Hospitals im ehemals Völkerschen Bleichgarten, dort auch Gemeindebleichgarten und Gemeindeholzhof (S. 402). Schlachthof für das Federvieh und das 1721 dorthin verlegte Spritzenhaus (S. 404). Das Schlachthaus gleich am Anfang der Gasse. Früher der Synagoge gegenüber (S. 404). Das Spritzenhaus vorher neben dem kalten Bad bei der Synagoge. Blatternhaus und Spital am Friedhof (S. 401). Schulhof auch als Marktplatz für Lebensmittel (S. 407). Köln, 1280, Erwerb eines Hofes zur Erweiterung des Schulhofes (Robert Hoeniger und Moritz Stern: „Das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre in Köln", Berlin 1888, S. 39). 213