Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 212 (sequence 16)
- Language
- German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliebe Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten Tor vor dem Judenhofe12). Die Tore der Frankfurter Judengasse sind auf dem Stadtplan von Merian 1628 zu erkennen. Ob aber eine Abgrenzung durch Mauern und Tore allgemein üblich war, vor allem bei den kleinen Judensiedlungen, die ohnehin vom Durchgangsverkehr nicht berührt wurden, ist nicht bekannt und auch nicht anzunehmen. b) Der jüdische Handel spielte sich im wesentlichen nicht in der Judengasse selbst ab. Insofern stellt die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden an sich keine besondere Anforderung an die Gestaltung ihrer Wohnstätten. Die Ladenausbauten, die im 17. und 18. Jahrhundert die Judenhäuser kennzeichneten und sich in Frankfurt Bogen an Bogen reihten13), sind jedenfalls erst Kinder dieser Zeit. Denn früher fand der Warenverkauf nicht im Hause selbst statt, sondern in Buden auf dem Markte11). Solche Buden (in Köln Gademmen) waren an die Häuser am "Markte angelehnt15) oder reihenweise auf dem Markte errichtet oder um die Marktkirche geschart. In Orten mit Marktzwang durfte nur dort verkauft werden16). Der Sachsenspiegel legte den Juden besonders auf, nur bei scheinender Sonne und nicht in verschlossenem Hause Handel zu treiben, daher wird z. B. nur eine verhältnismäßig geringe Zahl von' Buden in den Judengassen der niedersächsischen Städte verzeichnet, in Göttingen, Hannover, Braunschweig je zwei Buden, in Goslar nur eine17). Auch in Köln waren nur drei bis vier Gademmen (eubicula) und Gewölbe (Kipah), von denen Kober vermutet, daß in ihnen nur die jüdischen Bäcker und Fleischer ihre Waren feilboten18). Dennoch dürfte eine Erscheinung auf die Handelstätigkeit zurückzuführen sein: nämlich die schmalen Gäßchen, die die Verbindung der Judengassen mit dem Markte oder der Hauptverkehrsstraße herstellen. Hatten doch die Juden, sofern sie nicht an den Stätten des Handelsverkehrs selbst wohnten, ein Interesse daran, auf möglichst kurzem Wege diese Orte erreichen zu können. Solche Quergassen finden wir in Göttingen, Nördlingen, Köln; auch in Bingen und Einbeck wurden sie aus dem Bedürfnis der Bewohner des Judenviertels geschaffen19). Die Notwendigkeit, der "Judengasse einen Zugang zumTiahdelsmittelpunkte zu geben, wird auch bei der Errichtung der Frankfurter Judengasse durch die Anlage des Judenbrückchens anerkannt. Ein solches Gäßchen ist z. B. auf dem Plane von Spremberg (J. Siedler: „Märkischer Städtebau") deutlich zu erkennen, der übrigens auch recht deutlich die Abtrennung der Bauplätze an der Judengasse von 'den Marktgrundstücken zeigt. 12) Riemer: „Niedersachsen", S. 34. 13> Siehe Brautzug bei Schudt: „Jüdische Merkwürdigkeiten", Frankfurt, Leipzig 1714. Abb. bei Kohut, S. 688/89, u. M. Heyne: „Deutsches Wohnungswesen", Leipzig 1899, S. 306. «) Siehe Bild des Marktplatzes in Rothenburg o. T. im Jahre 1466, bei A. E. Brinkmann: „Deutsche Stadtbaukunst in der. Vergangenheit", Frankfurt 1921. ") Stiehl: „Wohnbau des Mittelalters", S. 140. "J Riemer: „Niedersachsen", S. 46. 18) Kober: „Grundbuch", S. 49, Anm. 3. 19) Göttingen: Kurze Judenstraße, später Kipper- Käuferstraße, jetzt Theaterstraße (Riemer: „Niedersachsen", S. 21). Köln: Enge Gasse, jetzt Portalsgasse. Bingen: Siehe Grünfeld: „Gesch. d. Juden i. Bingen", Frankfurt a. M., 1905, S. 8. Einbeck: Vgl. Riemer: „Niedersachsen", S. 22. 212