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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 208

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1930-10-01
Page
Seite 208 (sequence 12)
Language
German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judensassen in den deutschen Städten rechnen, da auf der gegenüberliegenden sich inzwischen andere Siedler festgesetzt haben mögen. In solchen „Judengassen" wohnten naturgemäß Christen und Juden gemeinsam (Straßburg, Wien-Wipplingerstr., Salzwedel-Parver, Graz-Bürgergasse)54). B. Wo die Straße an der Stammsiedlung vorbeiführt, wird versucht, zwischen Ort und Straße Platz zu finden oder sich gegenüber auf der anderen Straßenseite niederzulassen (Trier). Zumal wenn die Straße an einem Fluß entlangführt, war es wohl möglich, die am Wasser liegenden Arme-Leute-Häuser oder Fischerhütten zu erwerben 55). C. Die Niederlassung am Wasser war für die jüdischen Ansiedler vor allem da von Belang, wo bei einer Furt oder einer Brücke sich ein stärkerer Verkehr entwickelte (Frankfurt/Main I, Köln, Koblenz). Die Ansiedlung der Juden am gegenüberliegenden Üfer, wo sich in mehreren Städten die Kaufmannssiedlungen entwickelten (Erfurt, Nürnberg), scheint mir selten — sei es, daß die Juden als die früheren Ansiedler auf dem Ufer der Stammsiedlung noch Platz fanden, sei es, daß das Eigentum ihres Grundherrn sich nicht auf das andere Flußufer erstreckte. Möglich auch, daß der Marktschutz, der an bestimmte Plätze gebunden war, zunächst nicht für das jenseitige Flußufer galt. War die Niederlassung aus rechtlichen oder räumlichen Gründen am Brückenkopf gegenüber der Stammsiedlung nicht möglich, z. B. wenn der Ort in einem schmalen Tale lag (Meißen), so wurde ein Platz am Ortsanfang gewählt D. Wo nicht eine Ansiedlung unmittelbar am Markte, an der Hauptstraße, am Brückenübergang oder am wichtigen Stadttore möglich war, begnügte man sich mit der der Hauptstraße nächsten Parallel¬ oder Querstraße. E. Wo die inzwischen fortgeschrittene Besiedlung eine Ausdehnung längs der Straße nicht mehr zuließ, wurde senkrecht zur Straße an die vorhandene Häusergruppe angeknüpft und das hinter der ersten Gruppe liegende Land der Bebauung erschlossen. Vielleicht bot auch das zuerst erworbene Terrain Tiefenausdehnung genug, um Platz zu gewähren für einen „Hof", d. i. in Wirklichkeit eine Sackgasse, wie sie im 12. und 13. Jahrhundert durch Parzellierung großer Terrains 5*) Erfurt, 1240, Juden wohnen bei Christen zur Miete (Caro, I, S. 450). Auch vornehme Christen wohnen dort im Judenbezirk. Kroner: „Erfurt", S. 13. In Frankfurt a. JA. wohnten 1241 und später die Juden ohne bestimmte Abgrenzung. Kracauer: „Frankfurt", S. 307. Verschiedene Beispiele aus Steiermark im 14. und 15. Jhdt. siehe Rosenberg: „Steiermark". 55) Die Vorbesitzer der Terrains, auf dem die Judenstadt im unteren Werd in Wien errichtet wurde, waren u. a. Fischer, Tauzieher, Gärtner, Binder, Träger. Der größte Teil wird allerdings vom Grundbesitze des Bürgerspitals abgegeben. (Schwarz: „Wien", S. 119 ff.) Die Uferbesiedlung durch Kleinhöfe s. a. bei Mielke: „Ostpreußen und seine bodenständige Baukunst", Abb. 2 (aus „Ostpreußen u. d. Wiederauf. zerst. Ortschaften", Berlin 1915). 208

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