Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 209 (sequence 13)
- Language
- German
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Alexander Pintbus. Studien über die bauliche Entwicklung: der Judengassen in den deutschen Städten entstanden56), ähnlich dem „Sassenhof" (= Sachsenhof) in Köln67) oder den zahlreichen „Höfen" in Frankfurt am Main68). Solche „Höfe" mögen vielleicht auch durch Erwerb eines Hofgutes entstanden sein59), dessen von der Straße abgelegenes Haus dem ersten Ansiedler Wohnung gewährte, so daß einer „curia judaeorum" 60) unter Umständen wirklich ein „Hof vorausgeht61). Die Ausdehnung der Judengasse senkrecht zur Straße entwickelte sich da, wo die Juden unmittelbar vor dem Tore freien Platz fanden, vorzugsweise entlang der Ortsumgrenzung. Der Saum des Wallgrabens, vielleicht auch der Glacisweg zwischen Wall und Graben, boten die Möglichkeit, kleine Wohnstätten zu errichten, vor allem da, wo die Ansiedlung auf Veranlassung oder unter Mitwirkung des Grundherren stattfand. Das ist der Ursprung so vieler Judengassen, die sich außen an die alte Umgrenzung anschmiegen. Aeußerlich kommen diese Entstehungen in der der Mauerlinie folgenden Straßenführung zum Ausdruck: gestreckt beim rechtwinkligen Römerlager (Köln, Bordeaux)62), gebogen bei den mittelalterlichen Städten (Frankfurt a. M.). F. Bei geringsten Ansprüchen bot sich vielleicht auch die Möglichkeit, innerhalb der Stadt Wohnplätze zu erlangen, die dann meist im Inneren dem Laufe der Stadtmauer folgten. Dies ist besonders bei den später entstandenen Judengassen zu beobachten. Bei der Ansiedlung an der Stadtmauer im Inneren oder im Aeußeren erfolgte meist nur einseitige Bebauung mit Front nach der Mauer, um die Mauer selbst frei zu halten. Kleinsthäuser lehnen sich allerdings zuweilen unmittelbar an die Mauer an (Lemberg) ö). Während die Form A—D etwa die Ansiedlung des freien Kaufmanns darstellt und vorwiegend bei den früheren Niederlassungen vorkommt, finden wir die Form E vorwiegend bei den unter obrigkeitlichem Schutz entstandenen Niederlassungen, wobei sich die Gasse meist zwischen Stadt und Schloß einschiebt Die Form F endlich ist am häufigsten bei den Siedlungen des 14. und 15. Jahrhunderts anzutreffen, die losgelöst von den Verkehrslinien nur den Stadtschutz genießen. 66) Eberstadt: „Handbuch des Wohnungswesens", S. 40. 57) Keußen: „Topogr.", S. 57*, Voigts, Kölner Wohnhaus, S. 5. *») „Baudenkmäler von Frankfurt a. M.", III, SS. 366, 398, 446. ») Ulm (?) Nübling: „Ulm", S. 513. In Preßburg ist 1368 das erste Haus der Neuansiedlung „der Judenhof" (Bergel: „Gesch. d. ungar. Juden", S. 40, Anm.) Judenhöfe in vielen elsässischen Ortschaffen erwähnt Ginsburger: „Die Juden in Ruf ach", S. 31. 60) Gengier: „Stadtrechtsaltertümer", Goldschmidt: „Rückkehr der Juden nach Frankfurt a. M.", S. 156. „Curia et habitatio judeorum prope curiam zume wobelin". ei) Vgl. Keußen: „Topogr.", S. 91*. 62) Jewish Encyclopedia, Abb. zum Art „Bordeaux". «*) Vgl. hierzu Renard: „Rhein. Städtebilder", S. 123: Armeleutewohnungen an der Stadtmauer. 209