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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 207

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1930-10-01
Page
Seite 207 (sequence 11)
Language
German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judensassen in den deutschen Städten blühens der Städte im 15. und 16. Jahrhundert das Bedürfnis für öffentliche Plätze und Gebäude besonders fühlbar war, während noch die Breschen, die die Judenverfolgungen im Jahre 1349 in die Bebauung schlugen, bei der Dezimierung der Bevölkerung durch die Pest, zum Teil erst durch die zurückgekehrten Juden selbst wieder aufgefüllt wurden *9). Einige Judenviertel in Frankfurt, Hamburg und Prag wurden erst in jüngster Zeit ihrer Baufälligkeit wegen niedergelegt50). d) Anlage der Siedlung. Einige Formen der Randsiedlung, wie sie sich aus den Plänen über die Lage der Judengassen — Tafel I—IV — ergeben, scheinen für Stadterweiterung durch Neuansiedlung typisch zu sein und seien in ihrer möglichen Entwicklung hier dargestellt. A. Die Judenansiedlung als freie Kaufmannssiedlung: Ein einzelner Ansiedler mit seiner Familie oder einige Wenige lassen sich am Rande einer Siedlung, die günstige Handelsgelegenheit zu bieten verspricht, nieder51). Sie erwerben an der Straße von einem Garten, Acker oder einer Wiese einen Randstreifen, vielleicht mit einem an der Straße stehenden Hause. Selbstverständlich werden die dem Anziehungspunkte am nächsten liegenden Plätze bevorzugt Geht die Straße durch das Lager, die Urbs, die Stadt, hindurch, dann wird der Platz vor dem Tor gewählt, da, wo der in den Ort einmündende Verkehr sich sammelt und somit an dem Warenlager des Händlers vorbeiziehen muß. Vor das Tor kommen auch die Soldaten, die Burgmannen, die Klosterbrüder, um ihre Einkäufe zu machen. Neu zuwandernde Stammesgenossen suchen in der Nähe der schon Ansässigen Wohnung zu finden52). Der geringe Raumbedarf des Kaufmanns gestattet die Ansiedlung mehrerer auf dem früher erworbenen Terrain. Vielleicht können ein neuer Landstreifen an der Straße dazu erworben werden oder auch Nebenhäuser, worauf der Hinweis auf früheres christliches Eigentum hindeutet (Erfurt) 53). So entsteht eine Häuserreihe an der Straße, die einfachste Form der Ansiedlung. Bei einer Ansiedlung längs einer Verkehrsstraße können wir im allgemeinen nur mit der Besiedlung einer Straßenseite *9) Vgl. Goldschmidt: „Rückkehr der Juden nach Frankfurt a. M.", a. a. O. 50) Berlin 1877, Hamburg Ende des 19. Jhdts. (Otto Schilling: „Innere Stadterweiterung", Berlin 1921, SS. 219 ff. u. 158 ff.) Prag 1911 (Jerabeck, a. a. O. S. 23). 51) Solche Einzelsiedlungen mit Familie und Anhang werden z. B. mitgeteilt aus Murau 1350 bei Rosenberg: „Steiermark", S. 154, aus Zittau, 15. Jhdt., Levi: „Gesch. d. J. in Sachsen", S. 27. Sie wird in späterer Zeit bei Zulassung einzelner „Schutzjuden" sehr häufig. Abb. der Handelsniederlassung in Gnesen, siehe Heiligenthal: „Deutscher Städtebau", Abb. la. 52) Landsmannschaftliche Siedlungen in Köln: Sassenhof, Straßburger Gäßchen. «) Kroner: „Erfurt", S. 51. 3* 207

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