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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 200

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1930-10-01
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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Alexander Pintfaus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen Li den deutschen Städten daß die Städte sich unter dem Einfluß der Fremdensiedlung auch konzentrisch entwickelten. Denjenigen Siedlergruppen endlich, die unter besonderem behördlichen Schutze standen, blieb, ohne Rücksicht auf ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse, nur der von dem Schutzherrn zugewiesene Siedlungsraum. b) Judensiedlungen. Beim Vergleich der Ansiedlung anderer Gruppen mit der der Juden fallt als unterscheidendes Merkmal auf, daß jene stets nach einiger Zeit sich der Umgebung anpassen, oder, wo sie stark genug sind, die Urbevölkerung aufsaugen. So sind die Zuwanderer aller Nationen in das deutsche Volk aufgegangen, während nur ganz vereinzelte slawische Reste ihre Eigenart bewahrten. Auch sehen wir bei anderen Siedlern, daß sie nicht unbedingt an der einmal besiedelten Scholle festhalten, sondern daß sie mit fortschreitender Anpassung sich auf die ihrer veränderten wirtschaftlichen und sozialen Stellung entsprechende Plätze verteilen. Die Folge davon ist die sprachliche und auch topographische Verwischung der ursprünglich isolierten -Ansiedlung. Im Gegensatz hierzu beobachten wir bei den Juden zähes Festhalten der Wohnplätze, deren Verlassen stets als ein Zeichen besonderer Notlage anzusehen ist. Selbst bei vollständiger Wandlung der Umstände, sei es durch örtliche Verschiebung des Marktverkehrs, sei es durch Aenderung der wirtschaftlichen und sozialen Stellung der Juden, wurden die Judengassen, infolge der rechtlichen Bindung an den Schutzherrn oder der religiösen an die Kultstätten, solange beibehalten, bis die Aufgabe gewaltsam erzwungen wurde. Hiervon abgesehen, finden wir zahlreiche Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Gruppensiedlungen und den jüdischen Ansiedlungen. Nach Ort und Zeit wechselnd, erhalten die Juden ihre Wohnstätten bald als freie Handeltreibende, bald als schutzsuchende Vertriebene, bald als privilegierte Kaufleute. Die Art ihrer Ansiedlung entspricht dann einer ihrer sozialen Stellung gleichen Ansiedlergruppe, so daß die Judensiedlung im ganzen etwa einen Querschnitt der allgemeinen Gruppensiedlung wiedergibt. Die Frage nach selbständigen jüdischen „Eigensiedlungen" werden wir wohl verneinen müssen. Bei der vom Westen nach Osten vordringenden Erschließung des Landes durch Römer, Kirche und Kaiser war für selbständige jüdische Niederlassungen weder Gelegenheit noch Veranlassung. Dagegen drängt sich die Frage auf, ob die im Elbgebiete beobachteten Judensiedlungen11), zuweilen auch Judenn) Juden au, um 1100 Dorf bei Tulln in Niederösterreich (Germ. Jud.„ S. 134). Judenburg, Stadt an der Mur in Steiermark, schon 1074 bis 1087 urkundlich erwähnt (Germ. Jud., S. 135). Judendorf bei Leoben in Steiermark an der Mur. Ort erwähnt seit 1230 (Germ. Jud., S. 136 u. 158). 200

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