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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 142

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 2
Article
Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671
Date
1930-01-01
Page
Seite 142 (sequence 12)
Language
German
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Moritz Stern. Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671. geruhen, gleich mich undt meinen Schwiegereltern ») ietz auch meine Kinder80) nach meinem Tode gnädigst vergönnen in Berlin zu wohnen undt mich undt die Mehligen desfals mit gnädigstem Schutzbrieff anzusehen. [4] Viertens die neuntzig Persohnen ohngefehr mit Weib undt Kinder, so aus Großpohlen vertriben81) undtnunmehro mit Bewilligung Ewr. Churfürstl. Durchl. sich in der Neumarck aufgehalten82), auch in wehrender Zeit sich woll erwiesen, ingleichen Ewr. Churfürstl. Durchl. ihr jährliches Schutzgeldt allemahl richtig abgetragen, bitte gleichfals ferner in gnädigsten Schutz zu erhalten undt mit gnädigste Schutzbrieff dieselbe 90 Persohnen von neuen zu versehen, auch dieselbe bey der Neumärkischen Cammer registriren zu laßen, damit der Schutzgelder halber kein Unterschleiff entstehen möge. [5] Fünfftens weil die Neumärkische Juden nunmehro bey die 16 Jahre83) unter Ewr. Churfürstl. Durchl. Gnaden Schutz gewohnet undt alle Zeit unserer jüdischen Ceremonien nach einen Rabbinen unter uns Eltesten erwehlet, daß die Oestereichische Familien, weil wir doch alle in Ewr. Churfürstl. Durchl. Lande wohnen, keine Neuerung sowoll mit den Rabbinen alß in Erwehlung von denen Eltesten machen84), sondern sie gleich unß unserm Rabbi Nahmens Rabbi Cain zu ihrem Rabbbi behalten sollen. Weil nun dieses mein Suchen billig, alß getröste mich gnadigster Erhörung. Ewr. Churfürstl. Durchl. ghorßamster 85), untertenigster Diener _ Israel Aaron. 79) Samuel Schulhof aus Prag, Sohn des Jockel, gestorben in Berlin am 1. Tischri 1703 (Gräbst. 107) und seine Frau Jitel 7»>, Tochter des Jockel aus Glogau, gest. in Berlin 20. Adar II 1696 (Grbst. 106). Der Hofjude heiratete ihre Tochter Ester Schulhof, die nach seinem Tode Gattin des Hofjuweliers Jost Liebmann wurde und nach dem Tode ihres zweiten Mannes selber als Hof jüdin eine angesehene Rolle spielte. 80j> Aron, Jost und Salomon. 81) Eine Vertreibung fand nicht statt, wohl aber Flucht infolge der bekannten Judenverfolgungen. 1659 vor April 12 baten die Gewerke der Fleischhauer, Kürschner und Weisgerber zu Landsberg, den dortigen Juden den Handel mit Vieh und Fellwerk nicht zu gestatten, „nachdem durch die vorseyende polnische Kriegsunruhe ein großes Theil der jüdischen Nation sich anhero in diese E. Churfürstl. Durchl. Lande undt Gebiethe begeben": Geh. Staatsarchiv, R21 Nr. 210 L. 82) Vorl.: aufgegehalten. 83) Das wäre seit 1655. In Frankfurt a. d. O. wohnte seit 1658 Salomon Samson: R21, Nr. 203, Nr. 208 f 2, König, S. 101. Das Gutachten v. Cansteins 1671 (S. Stern, Akten Nr. 14) spricht von Juden, die schon vor dem Edikte in Frankfurt wohnen. Ueber Juden in Landsberg 1659 siehe Anm. 81. In ihrer Eingabe an den Landsberger Magistrat schreiben die dortigen Judenältesten 1692 vor 1. Juli, daß sie schon „über dreyßig Jahr fast continuirlich einen besonderen Rabbi" gehabt hätten: R21 Nr. 205. Aehnlich heißt es in ihrer Eingabe an den Kurfürsten: „fast an dreyßig Jahr her". Demnach wäre schon 1662 ein Rabbiner in Landsberg gewesen. 1670 klagten die Stände über öffentliche Synagogen in der Neumark: Orlich, Gesch. d. preuß. Staates im 17. Jahrhdt., II, S. 479. Die Angabe Täublers in Mitteilungen des Gesamtarchiv der deutschen Juden I, 18—19, daß vor 1671 (S. 19 ist 1771 Druckfehler) in der ganzen Neumark nur sieben Familien (vier in Landsberg, zwei in Königsberg und eine in Driesen) mit Schutz ansässig waren, hat sich nach Einsichtnahme in das von Täubler benutzte Aktenstück vom Jahre 1771 mit Beilage vom Jahre 1733 als irrig erwiesen. Es handelt sich in der Beilage um die Familien, die im Privileg vom 30. Okt. 1717 (Mylms, Corpus const. March. V Abt. 5 col. 171 ff.) art. 3, 11 und 14 als bereits vor 1717 (nicht 1671) vergleitet genannt werden. 8*) Vorl.: mache. 85) Von hier ab eigenhändige Zeilen und Unterschrift Israels. 142

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