Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 11)
- Language
- German
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Moritz Stern. Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671. ihnen den woll wißent, undt daferne sie mir heften einige Familien nahmkundig gemacht, welche mir bekandt oder selbst da weren, ich solche Patenta undt Privilegien gerne ausgehändiget undt bey der Churfürstl. Cammer zu specificiren vorgestellet hette. Allein durchleuchtigster Churfürst undt Herr, wan ich es deutlich sagen soll, ich die beyde Juden alß Abraham undt Baruch in Verdacht ziehe, alß welche nur gemeinet seyn, ihre Freunde, sie sein guht oder böse, vermögen oder Unvermögen73), wie auch in Zilch undt Landesberg an der Warte, so bereits gedacht, von dem Juden Baruch .genugsam geschehen ist. [2] Vors ander kommen auch noch solche Familien, welche warlich feine, ehrliche undt großvermögene Leuthe seyn, die ich kenne undt auch Caution, daferne es begehret wirdt, woll leisten kan, undt nützlicher in dero Residentz zu wohnen wehrt wehren. Bitte dahero unterthänigst, Ewr. Churfürstl. Durchl. geruhen, dero Residentz, darinnen einige Juden zu wohnen, nicht so schleunig Frey zu stellen, es sey dan daß Ewr. Churfl. Durchl. die Familien in Gegen.- wart vor ihr sehen undt tüchtig befinden. [3] Drittens kan Ewr. Churfürstl. Durchl. unterthänigst undt gehorsambst zu bitten ich keinen Umbgang nehmen, nachdem welches in diesem ietzlauffenden Jahr gerade 100 Jahr sein, daß in der Chur- und Mark Brandenburg die Juden nicht erduldet, besonderji vertrieben worden74), nunmehro aber davor, dem dreyeinigen75) Gott gelobet undt gedancket, Ewrr Churfürstl. Durchl. sich unserr gnädigst wieder erbarmen undt in der Churundt Marek Brandenburgk, auch in dero Residentz einige Juden wiederumb aufnehmen, weil dan, gnädigster Churfürst undt Herr, vor hundert Jahr meine Eltern76) über 60 Jahr theils in Berlin in der Judenstraße, theilß auch in Stendal gewohnet77), ich auch mich sieder Ao. 1655 in Preußen undt von Ao. 1663 alhier in Berlin in Ewr. Churfürstl. Durchl. Dienste unterthänigst auffgehalten, das mich die Bürgerschafft, ohne Ruhm zu melden, gegen mein Vorhalten noch alle78) wohl leiden undt dulden mögen, alß gelanget mein gehorsam undt unterthänigstes Bitten, Ewr. Churfürstl. Durchl. wollen gnädigst 7S) So. 74) 1573 durch Kurfürst Georg Wilhelm. 75i Entgleisung Israels oder seines Anwalts, der das Schreiben aufsetzte. 75) Im Sinne von Ahnen. Wahrscheinlich handelt es sich um die 1564 in Stendal aufgenommen Aron und Mosche: Ackermann, Münzmeister Lippold, S. 81 (Mosch von Stendal: ebenda S. 29, 85). 77) In Berlin und Stendal bis zur Vertreibung. Israel selber stammte aus Glogau. Sein gleichnamiger Großvater Israel b. Aron fiammerschlag, Gemeindevorsteher in Prag, starb auf der Reise nach Palästina am 5. Elul 1615 in Venedig: Berliner, Hebr. Grabschriften in Italien S. 21 Nr. 20. Auf dem Berliner Grabstein des Hofjuden Nr. 105 z.J. 1673 heißt der Tote: pVtmön nnawa Vt pna nmna oanan *pVKn p bsnvr rtm Ebenso heißt es in der Berliner Grabsteininschrift Nr. 102 seines 1732 gestorbenen Sohnes: pbwvsn Vt bnciw nva vma pspTO pna Ueber die Prager und Wiener Verwandtschaft siehe Hock, Die Familien Prags, S. 96, und Landau-Wachstein, Jüdische Privatbriefe, S. 105—106 Register, das Siegel (Hammer, Ambos) ebenda, Tafel VIII, Nr. 3 .gleich dem auf dem! Venediger Grabstein. Dagegen heißt der in Glogau ansässige Vater des Hofjuden: Aron Geizvogel, wie aus der Grabsteininschrift Nr. 104 seiner in Berlin 1688 gestorbenen Frau Rahel, Tochter des Jakob aus Glogau, hervorgeht. Er ist identisch mit dem von Berndt, Gesch. d. Juden in Groß-Glogau, S. 25 und Brann, Gesch. d. Juden in Schlesien, S. 212 z.J. 1636 erwähnten Judenältesten Aron Geißvogel. (Gaßvogel). 78) Vgl. „Die Bürger liebten ihn als Pestilentz und Schlangen" in der von mir abgedruckten Schmähschrift d. J. 1673, S. 138! 141