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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 140

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 2
Article
Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671
Date
1930-01-01
Page
Seite 140 (sequence 10)
Language
German
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Moritz Stern. Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671. Dank erkennen. Allein durchleuchtigster Churfürst undt Herr, nachdem ich gerne dahin sehen undt trachten wolte, daß Ewr. ChurfürstL Durchl. gnedigst gegebene Privilegien nicht mißgebrauchet werden möchten, sich auch nicht allerhandt Leuthe60) mit unter die 50 Familien mit einschleichen möchten, wie zum Theil in Zilch61) undt Landtsberg an der Warte albereits geschehen, alß muß Ewr. ChurfürstL Durchl. unterthänigst gehorsambst bitten, weil man hier zu Lande fast von diesen Familien keinen kennet, auch welcher maßen sie sich an ihrem Ohrte verhalten haben, man nicht wißen kan, so geruhen Ewr. Churfl. Durchl. gnedigst zu befehlen, daß die Familien sich nicht so heimlich einschleichen undt niederlaßen sollen, wie bereits geschehen, es sey dan, daß man Kundtschafft eingezogen habe, wer sie sein, ihres vorigen Verhaltens erkundiget, auch ob sie was in Vermögen haben. Zum andern die Personalen, so ietzo in Berlin angelanget, bestehen eine62) mit zwene Schwigersöhne, auch zwene Schw|ger63), so untereinander befreundet, welche bey Ewr. ChurfürstL Durchl. anhalten, ihnen undt ihren zehen Familien zu verstatten, in dero Residentz Cöln, auch Berlin zu wohnen. Gnädigister Churfürst undt Herr, diese 5 Persohnenw) sein aus gewißen Uhrsachen in dero Residentz zu wohnen nicht rahtsam, obwoll unter denen ihrer zwene66) entlich passiren möchten, ist auch viel weniger rahtsam, daß Ewr. ChurfürstL DurchL uff 10 Familien so schleunig auff Anhalten deren zweyen Juden Abraham undt Baruch66) 10 Patenta auffs neue ausfertigen wollen. [1] Vors erste lauten Ewr. Churfürstl. DurchL gnädigst gegebene Privilegien, das keine Familie sich dieses Ohrts setzen soll, es were dan dieselbe durch' eine richtige Specification verzeichnet67). Nun habe unter Ewr. ChurfürstL Durchl. hohe Gnaden Handt undt Siegel von denen .gnädigst ertheiletera Privilegien annoch 3 in Händen68), auch vermöge Ewr. Churf. Durchl. gnädigiste Verordnung an der hochpreißlichen Amptscammer gedruckte Exemplaria70) nebest etlich 30 bis 40 Befehlig, von dero Cammer-Praesident undt Amptsrähte unterschrieben 71), an denen Städten, umb die Juden daselbst einzunehmen, durch meine Auslösung72) in Händen, welches denen beyden benenten Juden ich entdecket, auch das aus der Cantzeley undt Cammer die gedruckte Patenta undt Befehlig vor die Gebühr ich herbey gebracht, welches 60^ In Vorl. folgt noch einmal: sich. 61) Züllichau. 62> Jakob Gumprecht nebst Schwiegersöhnen Abr. Ries und Ben. Veit. 63) Model Ries und Benjamin Fränkel. Hirschel und Koppel Ries gehören hier zur Familie Model Ries. David Natte und die beiden übrigen Familien waren noch nicht in Berlin. 64) Gemeint sind Familien. «) Wohl Abr. Ries und Veit. 66) Benedict Veit. 67) Edikt § 1. Siehe oben S. 5. 68) Das Edikt ist nur in einem Exemplar vom Kurfürsten gezeichnet und in der Kanzlei gesiegelt worden. Was Israel hatte, können nur die Einzeldrucke gewesen sein. 69) Reskript 26. Mai 1671 an die Amtskammer, Konz. gez. R.V.Canstein: R 21 Nr. 203. Das Edikt wird zur Beachtung übersandt und die Kammer aufgefordert: „an behörigen Orten, da es die Notdurfft erfodern wird, denen Beambten und Bedienten zu befehlen, daß sie sich ebenmäßig darnach achten sollen". 70) Es ist sehr unwahrscheinlich, daß auch das Reskript gedruckt und von der Amtskammer versandt wurde. Ich verstehe Israel dahin, daß er sagen will, er habe nicht nur von der Kanzlei, sondern auch von der Kammer gedruckte Exemplare des Edikts erhalten. Die Kammer legte die Ediktdrucke ihren „Befehlig" an die nachgeordneten Beamten bei. Auch von diesen Verfügungen der Kammer verschaffte sich Israel eine Anzahl. 71) Auch hier kann nur von Drucken die Rede sein. 72) Bezahlung. 140

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