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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 139

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 2
Article
Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671
Date
1930-01-01
Page
Seite 139 (sequence 9)
Language
German
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Moritz Stern- Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671. Preußen erhalten56). Seit 1663 war er mit Lieferungen für den kurfürstlichen Hof in Berlin beschäftigt und wurde 1665 auch für die brandenburgischen Lande in Spezial-Schutz und Protektion aufgenommen67). In seiner Eingabe58), die diesen neuen Schutzbrief bewirkte, hatte er für den bisherigen Schutz gedankt, auch dafür, „daß dieselbe [Churfl. Durchl.] gnädigst gefallen wollen, zu desto mehrerer meiner Protection unter dero Hofstadtbediente mich gnädigst zu stellen". Seine Bitte ging dahin, ihn in dem gewünschten Protectorium „alß einen zu Ew. Churfl. Durchl. Hoffstadt Gehörigen von mehr gesagten Raths Jurisdiction [zu Berlin] eximiren undt befreyen" zu wollen. Der erwähnte Schutzbrief stellte Israel Aron unter das Berliner Kammergericht und die Hausvogtei, erwähnt aber nichts von Israels Hofbedientenschaft. Am 15. Februar 1665 wurde jedoch auch diese urkundlich ausgesprochen. Er erhielt eine „Bestallung" auf 200 Taler, dazu wöchentlich drei Taler Kostgeld und Futter für zwei Pferde. Ueber den Umfang der von dem Hofbedienten oder Hofjuden59) für den Hof gemachten Lieferungen werden hier einige Angaben genügen. Seine Rechnungen aus den Jahren 1665 bis 1667 befiefen sich auf nicht weniger als 121 554 Rtl. 19 Gr. 6 Pf. Eine am 15. Juli 1670 eingereichte Rechnung Israels über seine letzte Lieferung bezifferte sich auf 41 674 Tlr. 1 Gr. 5 Pf. Zwei Tage vorher sprach ein kurfürstliches Reskript von den treuen und nützlichen Diensten des Juden „insonderheit bey denen vorgefallenen unterschiedlichen Lieferungen, welche sich offtermals über mehr den funftzig tausend Thl. erstrecket". Ein Bericht des Amtskammerpräsidenten v. Canstein vom 26. September 1671, also aus dem Monat, da die Schutzbriefe für Abraham Ries usw. ausgestellt wurden, spricht von den Lieferungen, die Israel für die Kleiderkammer bereits getan „und noch taglich sowohl beym Stall, Futterboden, Küche, Silbercammer thun muß". Was Wunder, daß Israel Aron für seine Geschäfte die Konkurrenz seiner Glaubensgenossen fürchtete, als der Kurfürst sich anschickte,» sie sogar in Berlin aufzunehmen. Des Hofjuden Stellungnahme ersehen wir aus der Eingabe, die er vor dem 6. September an den Kurfürsten richtete: IXirchleuchtigster Churfürst, Gnädigster Herr. Vor die hohe undt große Gnade, daß Sne. Churfürstl. Durchl. mit meiner Nation den vertriebenen Oestereichischen Juden eine Erbarmung undt Mitleiden tragen undt 50 Familien in der Churundt Marek Brandenburgk in Schutz nehmen, sage ich demütigen Danck undt werde solche hohe Güte undt Gnade in untertänigster Gehorsam die Zeit meines Lebens mit schuldigem 56) 6. Okt. 1657: Jolowicz S. 191 Anlage I. Wie Israel in seiner Eingabe 1671 weiter erzählt, war er in Preußen seit 1655 tätig. «) 26. Jan. 1665: S. Stern, Akten S. 514. m) Geh. Staatsarchiv (R 21 Nr. 202 b). Auf den dort liegenden Akten beruhen auch die oben folgenden Mitteilungen. *9) Beide Bezeichnungen werden gebraucht, am häufigsten aber ist nur von dem „Juden" Israel Aron die Rede. 139

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