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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 106

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 2
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1930-01-01
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten. I. Die Lage der Judengassen a) Die Judengassen im Stadtplan. Die aus alter Zeit überkommenen Ortsbezeichnungen wie „Juden-, Jüden-, Jödden- oder Göddengasse, -straße, -platz, -ring, -hof, -dorf" und ähnliche weisen meist auf alte jüdische Wöhnstätten hin. In ihnen sind die Ortsangaben, die in alten Urkunden die festen Straßennamen ersetzen16), wie „inter Judeos, Platea Judeorum, Vicus Judeorum, unter den Juden, bei den Judenhäusern herumb" und andere vielfach überliefert worden. Durch Neubenennung der Straßen oder Umgestaltung der Bebauung sind die Spuren der jüdischen Wohnplätze aber oft verwischt. Von den bei Kohut: „Gesch. d. dtsch. Juden", S. 266 ff., aus dem Deutzer Memorbuche zitierten ca. 230 Verfolgungsorten z. Zt. des schwarzen Todes konnte ich nur für etwa 50 die Lage der Judensiedlung ermitteln. Von den rund 50 schlesischen Städten, die Brann als mittelalterliche Wohnorte von Juden nennt, macht er bei etwa 20 Angaben über die Lage ihrer Wohnungen. Von mehreren Judengassen aus verschiedenen Epochen ist meist nur eine im Plan überliefert (Nürnberg, Rothenburg o. T.). In Orten mit einst zahlreicher jüdischer Bevölkerung zeugt heute oft nur noch ein Gäßchen mit seinem Namen für das ehemals größere Judenviertel (Köln). Umgekehrt werden aber in vielen Orten die „Judengassen" bei weitem nicht ganz von Juden bevölkert gewesen sein (Straßburg i. E. u. v. a.). In vielen Fällen bezeichnet der heutige Name „Judenstraße" und ähnliches nicht den wirklichen früheren Wohnsitz der Juden, sondern eine Straße, die zum Judenviertel oder an ihm vorbei führte. Das scheint mir bei den meisten märkischen Orten so zu sein, unter anderem in Berlin, wo die Jüdenstraße am Judenhofe vorbei zum neuen Markt führt. Judenstraßen hießen auch solche, die vorzugsweise von Juden begangen wurden, sei es zur Absonderung von anderen Passanten (Meißen)17), sei es in ihrer Eigenschaft als Kaufleute, sodaß Judenstraße bisweilen gleichbedeutend mit „Handelsstraße" überhaupt ist, z. B. der über den Thüringer Wald führende Teil der alten Handelsstraße Nürnberg—Erfurt zwischen Koburg, Gräfenthal und Saalfeld18). Es kommt auch vor, daß die eigentliche Judengasse ihren Namen an eine benachbarte abgegeben hat (Hannover)19). Schließlich finden wir in den Plänen viele „Judenörter" vermerkt, die mit unserem Gegenstande nur in losem oder gar keinem Zusammenhange stehen. So die Oertlichkeiten, deren Benennung nur zur 16) H. Keußen: „Die älteren Straßennamen der Stadt Köln", Rhein. Mittl. 1914, VIII, 2., S. 77 ff. ") Meißen (Leicht: „D. Judengemeinde i.M" Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. d. St M. 1890). ") Hugo Kühn: „Thüringen, Kulturgeschichtl. Bilder", Leipzig 1914, S. 89. 19) Die Ballhofstraße hieß zeitweise Judenstraße (XI. Jahresbericht d. Geogr. Ges. Hann.", 1905, S. 39). 106

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