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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 105

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 2
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1930-01-01
Page
Seite 105 (sequence 5)
Language
German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten. Zu den soziologischen Gegebenheiten, die eine geeignete Grundlage für unsere Untersuchung bieten, kommt noch, daß die Judensiedlung als Glied des Stadtorganismus auftritt, soweit wir in Deutschland überhaupt städtisches Leben zurückverfolgen können: in den Römerstädten wie in den Stadtgründungen der Könige und Klöster, in den ostdeutschen Kolonialstädten wie in den fürstlichen Stadtanlagen; freilich nicht in fortdauerndem Bestand, sondern, infolge des wechselnden Schicksals der Juden in Deutschland, in bestimmten, ziemlich fest umreißbaren Zeitspannen. Dadurch ist vielfach die klare Einreihung in bestimmte Epochen der Stadtentwicklung möglich. Allerdings sind weder die Planentwicklung der einzelnen Städte noch viel weniger die Wohnverhältnisse der Juden an allen Orten so weit geklärt, daß es möglich gewesen wäre, ein Gesamtbild der Judensiedlung vom Mittelalter bis zur Emanzipation der Juden im Anfang des 19. Jahrhunderts zu zeichnen. Nur von wenigen Städten liegen eingehende Darstellungen der Judensiedlungen hinsichtlich ihrer baulichen Entwicklung vor. Bewegen sich doch die Schilderungen jüdischer Vergangenheit fast ausschließlich auf rein historischem oder religiösem, wirtschaftlichem oder rechtlichem Gebiete, während die Werke über Städtewesen und Entwicklung die Frage nach dem jüdischen Einfluß, die Hoeniger (Zur Geschichte der Juden im frühen Mittelalter, Zeitschrift f. d. Gesch. d. J. in Deutschland I. 1886) anschneidet, nicht beantworten. Ohne auf diese Frage einzugehen, .erwähnten Heyne („Das deutsche Wohnungswesen", Leipzig 1899, S. 305) und Boos („Geschichte der rheinischen Städtekultur", Berlin 1897, III., S. 159 ff.) die Judengassen, und Gengier („Deutsche Stadtrechtsaltertümer", Erlangen 1882) behandelt die Judenwohnstatten sehr eingehend, freilich ohne Berücksichtigung der baulichen Entwicklung. Noch viel weniger befaßt sich die städtebauliche Literatur mit der Judensiedlung. Ich habe bisher nur bei Siedler („Märkischer Städtebau im Mittelalter", Berlin 1914) und bei Heiligenthal („Deutscher Städtebau", Heidelberg 1921) die Judengasse bei der topographischen Betrachtung der Stadtentwicklung erwähnt gefunden. Dagegen konnte eine große Zahl von Einzelnotizen verschiedenen Quellen entnommen werden, die bei ihrer Zitierung genannt sind. Trotzdem dürfte das von mir gesammelte Material hinreichen, um die Abhängigkeit der Stadtplangestaltung von den wirtschaftlichen und soziologischen Verhältnissen an dem Beispiel der Judensiedlung zu illustrieren. Da für die Gestaltung der Gesamtstadt die Verteilung der Bevölkerungsgruppen so wesentlich erscheint, ist die Lage der Judensiedlungen als für die Wohnbedingungen grundlegend untersucht und in möglichst vielen Städten ermittelt worden. 105

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