Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 66

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 66 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2259275-2259282-2259284-2260292--2879-2260387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Siegmund Feist Zur Geschichte des „Rassenantisemitistnus" in Deutschland sondern von der Umwelt abhängig. Nur bei den Juden macht der Verfasser eine Ausnahme; sie haben sich, wenn auch nicht durchgängig, Rassenmerkmale bewahrt, die eigentümliche Nasenform, die aufgeworfenen Lippen, das gekräuselte Haar, die lispelnde, mauschelnde Sprache. Die Freimaurerei steht unter jüdischem Einfluß und arbeitet seit langem an einer Verschwörung gegen die Grundlagen des politischen und völkischen Daseins des deutschen Volkes. Man staunt über die vielfach bei deutschen Gelehrten anzutreffende Zwiespältigkeit der Ansichten, je nachdem es sich um „arische" Deutsche oder „jüdische" Deutsche handelt. Man kann nicht einmal sagen, je jünger die Professoren sind, um so eher scheinen sie zu solchen Trugschlüssen geneigt; erst das Alter und die größere Erfahrung scheine die Abklärung zu bringen. Besonders spielt die politische Einstellung oft eine nicht unbedeutende Rolle bei dem Urteil über die Rassenfrage der Juden. Als Beispiel für die Sinnesänderung früherer Ansichten beim Eintritt der Altersreife möge der verstorbene Berliner Anthropologe Felix von Luschan sein. Am Ende seines Lebens ist er zu recht skeptischen Ansichten über das Rassenproblem gekommen, nachdem er in jungen Jahren in kühnem Anlauf die Frage nach den Grundlagen der jüdischen Rasse zu lösen geglaubt hatte (Mischung aus Semiten, Hethitern und „arischen" Amoritern) und damit einen bei dilettantischen Schriftstellern bis heute anhaltenden Erfolg zu verzeichnen hatte. Maßvolles Urteil über die Probleme der Rassenforschung findet man aber auch bei anderen Gelehrten. Mit einem solchen Urteil möge denn dieser Ueberblick durch den Abdruck einiger Stellen aus einem Aufsatz: „Volk und Rasse" von Max von Grub er (München)33) abgeschlossen werden: „Beruht etwa die verschiedene psychische Wertigkeit der Einzelnen auf der Verschiedenheit ihrer Rassenzugehörigkeit? Die großen Systemrassen der menschlichen $pezies sind sicher auch psychisch nicht gleich veranlagt. Haben etwa unsere "drei Rassen höchst ungleichwertige Psychen, so daß man etwa aus den äußerlichen Rassenmerkmalen des einzelnen Individuums auf seine psychische Beschaffenheit verläßliche Schlüsse ziehen, etwa einfach auf Grund der äußeren Rassenmerkmale eine Vorentscheidung treffen könnte? Das wäre höchst bequem, aber es ist leider nicht zulässig .... Die äußeren Unterschiede zwischen dein Angehörigen verschiedener Systemrassen sind bekanntlich zum Teil sehr große und auffallende .... Wenn es so klar verschiedenartige psychische Merkmale gäbe, etwa vererbliche Gedafnkenverbände, rassische Weltanschauungen, wie vielfach behauptet wird, dann wäre die Sache einfach. Aber dergleichen gibt es nicht. Es gibt zwar rassische Verschiedeinheiten der intellektuellen Veranlagungen und der Triebrichtungen, aber keine angeborenen Vorstellungen oder Ideen. Diese sind alle Erfahrungserwerb oder Traditionsgut. Die Verschiedenheit der psychischen Anlagen aber ist selbst bei den am weitesten 33) Süddeutsche Monatsblätter 1927, S. 244 ff. 66

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.