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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 65

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 65 (sequence 26)
Language
German
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Siesmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland Rasse in den Geisteswissenschaften, 1928, S. 387 ff. das Judentum mit steter Berufung auf Chamberlain als Gegensatz zum Germanentum charakterisiert: „Daß hier Rassengegensätze klafften, ist zwar immer dunkel empfunden, aber allzu lange durch Mißdeutung derselben als religiöser dem arglosen Sinn ausgeredet worden, bis die zunehmende Erkenntnis des Wesens der Rasse hierin Wandel schuf. Da, fast zu spät, erkannten alle Sehenden, daß die größte aller Gefahren, die uns vom Judentum drohten, eben die der Rasse, das heißt unserem Blute drohende sei, indem es als ein alterprobtes Mittel zur Förderung seiner Herrschaftspläne das der Durchsetzung fremder bei Reinhaltung der eigenen Rasse handhabte...... Kann man sich danach wundern, wenn in den Völkern, nachdem ihrem denkenden Teile, spät genug, die Augen geöffnet waren, elementare Gegenbewegungen gegen jenes alles losbrachen? Am tiefsten gingen diese wohl in Deutschland, dessen inneres Leben während des letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nicht am wenigsten von diesen Kämpfen ausgefüllt wird. Hier, wo es damals galt, nach jahrhundertelanger nationaler Zerrissenheit einen einheitlich deutschen Sinn herauszuarbeiten und dazu vor allem auch die Quellen unseres germanischen Rassenbewußtseins neu zu erschließen, mußte namentlich das zersetzende Element, das im Judentum dem entgegentrat, als ein Feindliches empfunden werden." Ein anderes jüngst erschienenes Werk des Hamburger Geographen Siegfried Passarge: Das Judentum als landschaftskundlich-ethnologisches Problem 1929 ist trotz betonter Unparteilichkeit in einzelnen Abschnitten von judenfeindlichem Geist durchsetzt. Zwar sollen die heutigen Juden keineswegs mehr als rassereines Volk angesehen werden und es wird betont, daß der Jude kein anderes Blut enthalte als andere Völker und daher auch keine verhängnisvollen Wirkungen auf die Wirtsvölker (nach A. D i n t e r) ausüben könne, aber einzelne Abschnitte enthalten doch gehässige und ganz unsinnige Angriffe (z.B. in dem Teil: Die Kahal-Organisation S. 328ff.), die einer gelehrten Arbeit unwürdig sind. Wenn man solche Ausführungen liest, so drängt sich einem die Überzeugung auf, daß in der Beurteilung der geistigen und ethischen Qualitäten der Juden seit Friedrich von Hellwald (1872, s. o.) kein Wandel eingetreten ist. Ein Lichtblick bei dieser trostlosen Feststellung mag es sein, wenn einzelne Wissenschaftler dennoch den Mut finden, die immer wiederkehrende Behauptung der Minderwertigkeit gemischter Rassen abzulehnen und die Möglichkeit der Beurteilung psychischer Eigenschaften von Rassen überhaupt zu bezweifeln. Ein Skeptiker gegenüber den überkommenen Rassebegriffen ist z. B. der Leipziger Hygieniker Prof. Walter Kruse in dem Buch: Neue Grundlegung der Anthropologie, Rassen-, Völker-, Stammeskunde und Konstitutionslehre usw. Leipzig 1929. Der Verfasser glaubt weder an die Unveränderlichkeit der Rassen noch an die Suprematie der nordischen „Edelrasse". Den Schädelindex sieht Kruse als Rassemerkmal für erledigt an; die anthropologischen Merkmale sind nicht beständig, © 65

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