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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 64

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 64 (sequence 25)
Language
German
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Siegmund Feist Zur Geschichte des „Rassenantisemiiismus" in Deutschland indem sie das zu Beweisende einfach voraussetzen und sich über ihre Methode täuschen. Woher weiß z.B. L. F. C1 a u ß, Die nordische Seele 1923 oder Rasse und Seele 1925, überhaupt, daß es eine nordische, eine ostische, eine westische Seele usw. gibt?31a) Diese sehr vernünftigen Bedenken hindern Lenz aber nicht über die geistigen und ethischen Qualitäten der Juden ein ähnliches Urteil wie seine Vorgänger Chamberlain und Günther zu fällen. Sie werden wie die Armenier und Griechen zur vorderasiatischen Rasse gestellt, der eine besondere Fähigkeit, sich in die Seele anderer Menschen einzufühlen und sich darnach zu richten, ferner angeborene Gewandheit in Handel und Verkehr zugeschrieben wird. Da die vorderasiatische Rasse als Minderheit unter andersartiger Bevölkerung zu leben gewohnt sei, so sei sie weniger auf Beherrschung und Benutzung der Natur aus als auf Beherrschung und Benutzung der Menschen gezüchtet. Sie sei einerseits ein Ferment der Zersetzung, andererseits ein solches des Fortschritts (S. 537 ff.). Über die körperlichen und seelischen Eigenschaften der Juden speziell verbreitet Lenz sich auf S. 556 ff. seiner Schrift. Er findet die seelischen Eigenschaften noch ausgesprochener als die körperlichen, der Kern ihrer Seele sei vorderasiatisch32). Zum Beweis für manche Behauptungen werden die Schriften von Th. F r i t s c h, Handbuch der Judenfrage, und H.Ford, Der internationale Jude, angeführt, also rein agitatorische Schriften verwertet in einem Buch, das den Anspruch auf hohes wissenschaftliches Niveau erhebt. Einzelne Beispiele mögen das schiefe Urteil über die Juden veranschaulichen. S. 557 wird behauptet, jüdische Autoren zitierten sich mit Vorliebe gegenseitig! Es gebe zwar hervorragende Wissenschaftler auf den Gebieten der Physik (Einstein wird genannt), der Mathematik, der Medizin, der Psychologie, des Schachspiels usw., aber keine großen Musiker, Maler und Chirurgen! Diese Fähigkeiten seien mehr den Germanen vorbehalten. Das liest man auf S. 560 ff.! Es versteht sich von selbst, daß Verfasser auf das Dogma der Ariergläubigen schwört, die nordische Rasse habe die indogermanischen (arischen) Sprachen und Kulturen geschaffen (S. 540). Zu überraschen braucht es schließlich nicht, wenn der Gobineau- Forscher Ludwig Schemann im ersten Band des Sammelwerks: Die S1a) Jüngst hat L. F. Clauss eine neue Schrift erscheinen lassen: Von Seele und Antlitz der Rassen und Völker 1929, in der auch die seelische Struktur der orientalischen Juden behandelt wird. Wenn sich auch sein „Erlösungstypus" schwerlich in der gewollten Beschränkung wird verteidigen lassen, so muß doch hervorgehoben werden, daß der Verfasser durchaus nach wissenschaftlicher Unparteilichkeit strebt. 32) Lenz beruft sich hierbei auf F. v. Luschan, Völker, Rassen und Sprachen, bei dem ich aber keine so allgemeine Charakteristik der Vorderasiaten finden konnte. S. 169 steht nur zu lesen: Soviel also zur angeblichen Rassenreinheit der Juden. In ähnlicher Weise müssen wir uns hier auch mit ihrer angeblichen sozialen Minderwertigkeit (vom Verf. gesperrt) auseinandersetzen. Da stoßen wir zunächst auf ihre bekannte „Geschäftstüchtigkeit" ... Aber es ist völlig unwissenschaftlich, vom Charakter der Juden zu sprechen, weil da naturgemäß oft reiner Zufall und persönliche Zu- oder Abneigung eine große Rolle spielen und das Urteil trüben. 64

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