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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 63

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 63 (sequence 24)
Language
German
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Siegmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland Auch von anderer Seite regte sieh Widerspruch gegen die Günthersche Rassenklitterung. Der früher in Bozen, jetzt in Innsbruck ansässige völkisch eingestellte Schriftsteller K. F. Wolff ist den „veralteten" Rassenbegriffen in Günthers Schrift scharf entgegengetreten30). Freilich hält auch er unentwegt an der Ansicht fest, die Zukunft (N. B. auch ohne Rassenhygiene) gehöre dem Arier. Ebenso ablehnend gegen Günther verhält sich Prof. Kaup in München in der Schrift: Süddeutsches Germanentum 1925. Der Bajuware wendet sich mit Entrüstung gegen die Herabsetzung seines vorwiegend „ostischen" Volkstums gegenüber den „nordischen" Gegenden. Besonders lehnt er die Verquickung körperlicher Merkmale mit seelischen Eigenschaften ab: „Diese Rasseneinteilung des süddeutschen Volkstums nach körperlichen Merkmalen wäre an sich ziemlich gleichgültig — soweit nicht der eigentliche Rassenforscher dagegen Stellung nehmen muß —, wenn diese Rasse nicht auch mit bestimmten seelischen Eigenschaften in Verbindung gebracht würde. H. Günther stützt sich hier auf Gobineau, de Lapouge, Roese u. a. . . . Der nordischen Rasse eignet Kühnheit, heldisches Wesen, Weitblick, Erfindungsgabe. Die körperliche Reinlichkeit ist auch ein Kennzeichen nordischer Rasse; der ostische Mensch fällt immer durch seine größere Unreinlichkeit auf...... Der Alpine ist vor allem Geschäftsmann. Er ist als solcher fleißig, aber skrupellos, verschmäht keinen Trick, erniedrigt sich, um einen Pfennig zu verdienen. Er hat kein wahrhaftes Interesse außerhalb seiner selbst und seines Geldes, womit er nur sich selbst dienen will. Er kauft sich wohl Bildung, aber zu keinem innerlichen Nutzen. Er ist Geschäftsmann in allem, auch in der Liebe....." Aber so sehr feindlich sich Prof. Kaup gegen Günthers Körper- und Seelenschilderung der deutschen Stämme stellt, in der Beurteilung des Anhangs „Rassenkunde des jüdischen Volkes" stimmt er ihm merkwürdigerweise zu. Er findet diesen Anhang „sehr wertvoll". Die physiognomischen Merkmale wie die Wesensart der Juden seien „treffend dargestellt". Bei der Beurteilung der Juden werden also Schlüsse aus der rassenhaften Zusammensetzung auf die seelische Verschiedenheit von den Deutschen gebilligt, bei den Süddeutschen gegenüber anderen deutschen Stämmen aber abgelehnt. Wo bleibt da die wissenschaftliche Unparteilichkeit? Ähnlich wie Prof. Kaup wendet sich Fritz Lenz gegen Günthers „verächtliches Bild" der ostischen (alpinen) Rasse31). Zwar zweifelt Lenz nicht daran, daß es seelische Rassenunterschiede gibt, aber die Methode der Rassenpsychologie sei nicht immer die richtige gewesen, sie müsse notwendig „naturwissenschaftlich" d. h. gesetzeswissenschaftlich sein (S. 523). Das berücksichtigen viele Forscher nicht, so) Mannus. Zeitschrift für Vorgeschichte, Bd. 20, S. 329 ff. S1) In dem Abschnitt: Die Erblichkeit der geistigen Begabung mit der Unterabteilung: Die seelischen Unterschiede der großen Rassen in dem Sammelwerk: Menschliche Erblichkeitslehre von E. Bauer, E. Fischer und Fr. Lenz. 3. Aufl. 1927. 63!

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