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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 62

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 62 (sequence 23)
Language
German
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Siegmund Feist Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland Auf die zahlreichen Irrtümer des Verfassers (nordischer Einschlag bei den alten Israeliten in Palästina z. B.) kann hier nicht eingegangen werden, obwohl recht ergötzliche darunter sind; so wird das bekannte Bild des samaritischen Hohepriesters mit der Unterschrift versehen: Jüdischer Hohepriester mit Thora in Jerusalem. Von oberflächlichen Schlüssen und schiefen Urteilen ist das ganze Buch durchsetzt Man braucht sich bei derartigen Entgleisungen nicht zu wundern, daß selbst im eigenen Lager der Völkischen die Kritik gegenüber solcher „Rassenkunde" laut wird. So schreibt Fritz Lenz im Sonderheft „Die Rassenf rage" der Süddeutschen Monatshefte (Juli 1927) über das Günthersche Buch: „Allerdings ist auch Günthers „Rassenkunde des deutschen Volkes" nicht frei von Schuld an dem leidigen Umstände, daß da und dort die Meinung aufgekommen ist, der Rassenjgedanke sei der Einheit des deutschen Volkes abträglich, oder daß -doch gewisse Demagogen diesen Anschein haben erwecken können. Es war kein glücklicher Einfall des Verlegers Lehmann, — denn er ist der geistige Vater des Güntherschen Buches — gerade über die Rassen Deutschlands schreiben zu lassen. Gewiß wollte er dem deutschen Volke damit einen Dienst erweisen; eben darum sollte es ja eine Rassenkunde des deutschen Volkes sein. Er hatte mich in früheren Jahren mehrfach aufgefordert, ein solches Buch zu schreiben, was ich aber stets ablehnte, da ich Bedenken trug, die Rassenunterschiede innerhalb des deutschen Volkes zum Gegenstande einer besonderen Darstellung zu machen. Er hat dann in dem Philologen Günther den .gesuchten Verfasser für sein Buch gefunden..... Immerhin sind gewisse üble Teilfolgen nicht zu verkennen. Dadurch, daß er mit einem vom Fachwissen nicht getrübten Blick daranging, Rassenunterschiede innerhalb des deutschen Volkes aufzusuchen und zu beschreiben, kam er begreiflicherweise dahin, die aufgefundenen Unterschiede zu überschätzen und sie als absolute Unterschiede der Rasse aufzufassen. So stellte er gewisse deutsche Landschaften als Gebiete „ostischer Rasse" hin, obwohl dort von Rassenreinheit auch nicht im entferntesten die Rede sein kann, vielmehr vermutlich auch dort noch das nordische Blut überwiegt." In der Schätzung der Juden geht Lenz (wenigstens an dieser -Stelle) andere Wege wie Günther: „Eine Wiederherstellung der nordischen Rasse in jener Form, wie sie die Germanen der Völkerwanderung aufwiesen, wird auf diese Weise freilich nicht zustande kommen; sie wäre wohl auch gar nicht wünschenswert.....Ein Staat aus lauter Menschen wie den Helden der isländischen Sagas würde vermutlich auch schlecht existenzfähig sein; er würde in dieser Hinsicht wohl nicht viel besser gestellt sein als ein Staat aus lauter Juden. Die moderne Arbeitsteilung erfordert Menschen von sehr verschiedener Veranlagung. Auch die wertvollen Rassenanlagen der Juden können für das Leben der Gesamtheit in mannigfacher Hinsicht von Nutzen sein. Der Rassenhygieniker hat es also nicht nötig, Antisemit zu .sein"...... 62

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