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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 61

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 61 (sequence 22)
Language
German
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i Siegmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantisetnitismus" in Deutschland j objektiv, in der Tat aber mit deutlicher antisemitischer Tendenz 2sa). Chamberlains „Rassen-Erbsünde" des jüdischen Volkes wird in breiter Darstellung — übrigens ohne Quellenangabe — vorgetragen; den Juden werden Eigenschaften zugeschrieben, die ihnen selbst so gut wie unbekannt sind: Blutbewußtsein, Züchtungsrichtung, Artzwang, sexueHe Applanation, jüdische Empfindlichkeit usw., alles unklare Begriffe. Bei der Besprechung der seelischen Eigenschaften der Juden wird betont, daß der Jude seelisch dem Deutschen fremd sei, am fremdesten vielleicht dem vorwiegend „nordrassischen" Deutschen. Als Grund wird Blutfremdheit — ein mystischer Begriff — als Folge der verschiedenen Blutzusammensetzung angegeben29). Es braucht nicht bemerkt zu werden, daß dem Juden selbstverständlich ethische Minderwertigkeit gegenüber dem stammechten Deutschen zugeschrieben wird. Wie unkritisch Günther verfährt und wie komisch wirkend seine Angaben rassenhafter „jüdischer" Typen sind, muß man aus seinem Buch selbst ersehen. So wird, um nur ein Beispiel zu geben, der Italianissimo der Italiener, Gabriele d'Annunzio, abgebildet und das Bild mit folgender Erklärung versehen: „Jude aus Italien (Galizien?), anscheinend vorwiegend westlich mit nordischem Einschlag". Seine schriftstellerische Leistung wird aus „Rassegründen" abfällig beurteilt: „Wieder ist es eine Sprache, die nicht echt-italienisch anmutet, sondern gemein-europäisch und dadurch irgendwie (sie!) flach; man liest d'Annunzio „wie Wasser". Das jüngst erschienene Buch von Hans F. Günther: Rassenkunde des jüdischen Volkes ist29b) aus dem oben genannten Anhang zur Rassenkunde des deutschen Volkes erwachsen. Es vermeidet einige der schlimmsten Entgleisungen- und das Streben des Verfassers nach Objektivität in der Frage ist unverkennbar. Er lehnt es ab, in den Juden eine besondere Rasse zu erblicken, schreibt ihnen aber ein sekundäres, eigenes Volkstum zu, ein Standpunkt, der ebensowenig haltbar ist, wenn man die erheblichen Unterschiede zwischen den vielen jüdischen Stämmen ins Auge faßt. Noch immer glaubt er an die „bedenklichen Zusammenstellungen von Erbanlagen, die den Nachkommen aus Mischehen (zwischen Juden und anderen Völkern) zu teil werden können." Er spricht ferner von der (nach allgemeiner Ansicht aber utopischen) restlosen Herauslösung der Juden aus der Gemeinschaft mit anderen Völkern, wodurch nach seiner Meinung die „Judenfrage" gelöst wäre .... 28a) Zu späteren Auflagen ist dieser Anhang weggeblieben, da er im Herbst 1929 als besonderes Buch: Rassenkunde des jüdischen Volks erschienen ist. Siehe darüber weiter unten. 29) Hier behauptet Günther gerade das Gegenteil des wissenschaftlich durch die Blutgruppenforschung Festgestellten. Die Juden gehören zur gleichen Blutgruppe wie die meisten Europäer (vgl. den populär geschriebenen Aufsatz von K. L e w i n, Neues von der Rassen- und Blutgruppenforschung. C. V.¬ Zeitung. Monatsausgabe Oktober 1928). ^b) Bei J. F. Lehmanns Verlag München, 352 Seiten Text, 305 Abbildungen und 6 Karten. Eine eingehende Besprechung des Werkes in dieser Zeitschrift wird noch folgen. 61

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