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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 59

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 59 (sequence 20)
Language
German
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Siegmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland risches Verbrechen gegen die Natur, auf ihn kann nur ein elendes oder tragisches Schicksal folgen. Das Bewußtsein der Sünde, welches das jüdische Volk in seinen heroischen Tagen so bedrückte, wurzelte in diesen physischen Verhältnissen." — Dies eine Beispiel mag zeigen, in welcher Weise bei Chamberlain Scheinwissenschaft und Phantasie zusammenwirken, um historisch ganz unbegründete Behauptungen in die Welt zu setzen. Es ist an dieser Stelle natürlich unmöglich, auch nur einen knappen Auszug aus dem 135 Seiten füllenden Abschnitt: „Der Eintritt der Juden in die abendländische Geschichte" zu geben. Wir müssen uns auf einige Sätze aus der Zusammenfassung: „Das Judentum" am Schluß der hierauf bezüglichen Ausführungen Chamberlains beschränken, um seine Gedankengänge etwas zu beleuchten. „Auf die Frage: wer ist der Jude? antwortete ich zunächst, indem ich seine Herkunft, das physische Substratum zeigte, sodann indem ich die leitende Idee des Judentums in ihrem Entstehen und Wesen hinzustellen suchte. Mehr kann ich nicht tun, denn die Persönlichkeit g-ehört dem einzelnen Individuum an, und nichts ist falscher als das verbreitete Verfahren, ein Volk nach Einzelnen zu beurteilen. Ich habe weder den „guten" Juden noch den „schlechten" Juden herangezogen .... Vor mir liegen mehrere Gerichtsstatistiken: die einen wollen beweisen, die Juden seien die lammfrommsten Bürger Europas, die anderen erhärten das Gegenteil . . . Bei allen diesen Dingen, namentlich sobald sie statistisch gebracht werden, kann man überhaupt beweisen, was man will. Dagegen sind jene beiden Tatsachen: Rasse und Ideal durchaus grundlegend. Gute und schlechte Menschen gibt es nicht, für uns wenigstens nicht, .... dagegen gibt es recht wohl gute und schlechte Rassen, denn hier handelt es sich um physische Verhältnisse, um allgemeine Gesetze der organischen Natur, die experimental untersucht worden sind, um Verhältnisse, wo — im Gegensatz zu den oben genannten — Zahlen unwiderlegliche Beweise erbringen, um Verhältnisse, über die uns die Geschichte der Menschheit reiche Belehrung bietet. Und kaum minder faßbar sind die leitenden Ideen .... Und die jüdische Nationalidee scheint eine ganz besonders mächtige Wirkung auszuüben, vielleicht gerade darum, weil in diesem Falle die Nation lediglich als Idee existiert und vom Anbeginn des Judentums an niemals eine normale „Nation" war, sondern vor allem ein Gedanke, eine Hoffnung. Sollte die jüdische Nationalidee nicht die Kraft besitzen, die allen anderen Nationen eignet? Im Gegenteil, sie ist, wie ich gezeigt habe, machtvoll wie keine zweite und schafft die Menschen um zu ihrem Ebenbilde. Man braucht nicht die authentische Hethiternase zu besitzen, um Jude zu sein, vielmehr bezeichnet dieses Wort vor allem eine besondere Art zu fühlen und zu denken; ein Mensch kann sehr schnell, ohne Israelit zu sein, Jude werden; Mancher braucht nur fleißig bei Juden zu verkehren, jüdische Zeitungen zu lesen und an jüdische Lebensauffassung, Literatur und Kunst sich zu gewöhnen .... Nationale oder religiöse Ideale können nun in zweifacher Weise ihren umwandelnden Einfluß zur Geltung bringen, positiv und negativ . . . Wenn der jüdische Einfluß auf geistigem und 59

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