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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 58

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 58 (sequence 19)
Language
German
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Siegmund Feist Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland Aristokratie, von der die meisten modernen Juden abgewichen sind; in dieser Hinsicht fühlte Lord Beaconsfield also halbwegs richtig, als er sie für den ältesten Adel der Welt erklärte.....Rembrandt hielt es mit den aristokratischen, nicht mit den plebejischen Juden; jene zogen ihn, trotz ihrer Fremdartigkeit als gewandte Geister an; diese, wie sie heute sind, würde er verabscheut oder nie begriffen haben. Es ist ein weiter Weg von Abraham, Hiob, Jesaias, dem Psalmisten bjs zu den heutigen Talmudisten, Börsenjobbern, Reportern; soweit wie der vom Edlen bis zum Gemeinen; und man darf diesen Unterschied nie vergessen . . . Glanz und Elend, Licht und Schatten liegen in den Juden dicht beieinander; sie stellen so eine echt Rembrandtsche Mischung dar; kein Wunder, daß sie diesem Künstler gefielen. Was verwerflich an ihnen ist, übergeht er oder weiß es durch den Hauch seines Geistes zu adeln." Durch die hier genannten und durch sonstige Schriften, durch die« politische und gesellschaftliche Ächtung der Juden seit den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts war der Boden vorbereitet, auf dem der Samen Chamberlainscher Ideologie aufgehen konnte. Seine „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" erschienen erstmalig im Jahre 1899 in zwei starken Bänden und wurden in den folgenden Jahren wiederholt aufgelegt. In diesem Werk ist die Synthese von Ariertum und Germanentum in noch entschiedenerer Weise vollzogen als bei Gobineau. Der Germane ist am Ende der alten Welt der Retter des Ariertums, das bei Griechen und Römern an dem zugeflossenen asiatischen und afrikanischen Blut zu Grunde gegangen ist: „ohne den Germanen ging der Tag des Indoeuropäers zu Ende". Die Germanen schaffen nach ihrem Eintritt in die Geschichte gemäß ihrer angeborenen Befähigung und idealen Veranlagung eine neue europäische Kultur, in der die Juden als zersetzendes Ferment wirken. In diesem Punkt geht Chamberlain über seinen Vorgänger Gobineau hinaus, den die heutigen Juden nur wenig interessierten. In den fünf und vierzig Jahren, die zwischen dem Erscheinen der beiden Werke liegen, war ja ein neuer und viel intensiverer Antisemitismus entstanden, als ihn die früheren Zeiten gekannt hatten. Den Niederschlag dieser Geistesrichtung, die sich auf pseudowissenschaftliche Schemgründe stützt, finden wir in grotesker Übertreibung bei Chamberlain. Bei der Untersuchung der in Palästina vertretenen Rassen z. B. ernennt er die in den biblischen Schriften erwähnten Amoriter zu Ariern. „Es waren große blonde blauäugige Menschen von lichter Haarfarbe." Davids Mutter ist eine Amoriterin, desgleichen Salomos Mutter gewesen; also sind beide keine reinen Semiten, sondern haben Arierblut in sich. Daraus erklärt es sich, daß unter ihnen Juda und Israel zu so hoher Blüte gelangten. Da noch andere Rassen (Ägypter, Hettiter usw.) zur Bildung des israelitischen Volkes beitrugen, so ist es aus der Bastardierung ganz verschiedener Menschenrassen hervorgegangen..... Diesen Bastardcharakter bewahrt die jüdische Rasse dauernd. Ein derartiger Vorgang, so unbewußt er auch geschieht, ist ein blutschände- 58

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