Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 57 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland Dühring neben anderem vom Rassenjuden und Religionsjuden, femer von der Rassenschädlichkeit; im zweiten Kapitel von Charakterspiegelung in Religion und Moral usw. Verfasser sagt (S. 2ff): „Die gründliche Auffassung, die im Juden nicht eine Religion, sondern einen Rassenstamm sieht, bricht aber schon entschieden durch . . . Die aus der Rassennatur entwickelten Kultureigenschaften werden sich alsdann auch verstehen und bemessen lassen . . . Der Ausdruck Semit ist geradezu ein Fehlgriff, weil er zu allgemein ist. Die Juden sind ein bestimmtes Volksstämmchen aus der semitischen Rasse und nicht diese ganze Rasse selbst . . . Die Juden sind überhaupt die übelste Ausprägung der ganzen semitischen Rasse zu einer besonders völkergefährlichen Nationalität . . . Eine Judenfrage würde auch existieren, wenn alle Juden ihrer Religion den Rücken gekehrt und zu einer der bei uns vorherrschenden Kirchen übergetreten wären ... In Rücksicht auf die Religion ist sie (die Judenfrage) allerdings vorzugsweise eine Angelegenheit der Vergangenheit geworden; in Rücksicht auf die Rasse ist sie aber ein hochwichtiger Gegenstand der Gegenwart und der Zukunft." Noch eine andere Schrift, die gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts einen ganz außergewöhnlichen Erfolg in Deutschland hatte, ist hier zu nennen, obwohl sie sich nur nebenbei mit dem Judentufrn befaßt: Rembrandt als Erzieher. Von einem Deutschen (Dr. Julius Langbehn), zuerst 1890 erschienen und in zahlreichen Auflagen bis auf unsere Tage immer wieder neu gedruckt. Die Wirkung des vielgelesenen Buches war nur indirekt judenfeindlich, insofern es dem deutschen Volk Eigenschaften zuschrieb, die es mit Hochmut gegen andere Rassen erfüllen mußte, obwohl der Verfasser ihm auch andererseits derbe Wahrheiten über seinen augenblicklichen Verfall nicht vorenthält. Hören wir einige seiner Äußerungen über die arischen Deutschen: „Greift man die Bestimmung der heutigen Deutschen am tiefsten, so gerät man auch hier auf die alte Forderung: sie sollen das sein, was sie von Uralters her waren; wozu sie die Natur selbst gemacht hat. Sie waren und werden sein Arier. Für diesen ihren angeborenen Charakter sollen sie leben und streiten und sterben, wenn es sein muß! . . . Der Arier führt den Speer; und dieser stellt, als eine gerade Linie, die nächste Verbindung her von dem eigenen Herzen zu dem des Feindes; das ist kriegerische und künstlerische, das ist arische, das ist göttliche Mathematik! . . ." Über die Juden von heute fällt er ein scharfes Urteil, während er für die „echten und altgläubigen" Juden eine gewisse Vorliebe (wie auch Rembrandt) zeigt: „Ein echter und altgläubiger Jude hat unverkennbar etwas Vornehmes an sich; er gehört zu einer uralten sittlichen und geistigen 27) Zuletzt unter dem Titel: Die Judenfrage als Frage des Rassencharakters und seiner Schädlichkeiten für Völkerexistenz, Sitte und Kultur. Mit einer denkerisch freiheitlichen und abschließenden Antwort. 57