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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 54

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 54 (sequence 15)
Language
German
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Siegmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantiseuiitismus" in Deutschland In Frankreich haben Schemanns Schriften nicht den Widerhall wie in Deutschland gefunden. Sie haben sogar Spott hervorgerufen und ihm den Vorwurf eingetragen, ein Fremder könne kein richtiges Urteil über Werke der französischen Sprache besitzen24). Schemann also ist der Wegbereiter für den unleugbar großen Erfolg von Chamberlains Grundlagen gewesen. Daneben haben in dem Zeitraum seit dem Erscheinen des Essai (1853) bis zu Chamberlains Grundlagen (1898) die Federn der Judenfeinde nicht etwa geruht. Wenn die Zeit des aufstrebenden Liberalismus den Juden in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts eine kurze Atempause gewährte, so rief der von Bismarck inszenierte „Kulturkampf" zuerst die katholische Kirche, dann die evangelisch-orthodoxen Kreise (Hofprediger Stöckers christlich-soziale Partei 1878) gegen sie auf den Plan. Der Bruch Bismarcks mit den Liberalen und seine Annäherung an die Konservativen machte schließlich die adligen und akademischen Kreise zu Judenfeinden (Verein deutscher Studenten). Diese ganze Entwicklung schuf erst den richtigen Nährboden für Chamberlains Ideologie. Sein Werk ist die Fortsetzung des großen Stromes des Rassenfanatismus; daneben mündeten in ihn die zahlreichen Bächlein, deren lückenlose Aufzählung uns freilich nicht von Wert für die Sache scheint. Wir beschränken uns also auf eine Auswahl charakteristischer Schriften zur Rassenfrage in judenfeindlichem Sinn. Zu nennen sind hier die Schriften von Hermann von Scharff- Scharffenstein: Blicke in das gefährliche Treiben der Judensippschaft, Augsburg 1852; Das entlarvte Judentum der Neuzeit I. Die Juden in Frankfurt a. M., II. Die Juden in Bayern, Zürich 1871 usw. Verfasser meint u. a.25): „Wir wollen daran erinnern, daß nicht Christ und Juden in Betracht zu ziehen sind, sondern daß vor Allem der Unterschied zwischen Deutschen und Hebräern in Obacht genommen werden muß, und daß die Stammesverschiedenheit dieses Volkes mit den unsrigen die Emanzipation (Gleichstellung) illusorisch und unmöglich macht, da es ja nicht in unserer Gewalt liegt, die Schranken, welche dieselben von allen übrigen Völkern scheiden....., niederzureißen." In den sechziger und siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entfaltete der schon im Eingang dieses Aufsatzes genannte Wilhelm Marr in Hamburg eine außerordentlich rege judenfeindliche Tätigkeit. Von seinem schon Ende der fünfziger Jahre erschienenen „Judenspiegel" liegt mir die 5. Ausgabe aus dem Jahre 1862 vor. Marr behauptet darin, die Juden seien ein Mischlingsvolk mit stark vorherrschendem kaukasischem Typus, kein rassereines Urvolk (als ob ein solches außer in der Ideologie der „Ariomanen" überhaupt in historischer Zeit noch gegeben hätte!). Durch die Taufe werde der Jude nicht anders; doch bleibe den getauften Juden wenigstens nichts anderes 24) Seilliere am angeführten Ort, S. 438 ff. — Ludwig Schemaun hat auch eine Biographie Gobineaus nach dessen nachgelassenen Papieren verfaßt. Eine andere deutsche rührt von E. Kretzer her (J. A. Graf von Gobineau. Sein Leben und seine Werke. Leipzig 1902). ") Das entlarvte Judentum I, S. 1. 54

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