Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 12)
- Language
- German
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Siesmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland die Menschen glücklich machten. Romantisch ist auch der Leitgedanke des Buches, die völkische Frage beherrsche alle anderen Probleme der Geschichte, und die Verschiedenheit der Rassen, aus denen sich eine Nation zusammensetzt, genüge, um eine Erklärung für die Geschicke der Völker zu finden. Gobineau unterscheidet (wie Klemm, den er aber nicht gelesen hat), starke und schwache Rassen. Letztere erhalten alle ihre Impulse von den ersteren. Schließlich wird alles Große, Edle, Fruchtbare auf Erden, alle Schöpfungen der Wissenschaft, der Kunst, der Kultur nur auf eine Völkerfamilie zurückgeführt, deren verschiedene Zweige die zivilisierten Teile der Erde beherrschen. Diese kulturbringende Völkerfamilie sieht Gobineau in den Ariern, die er aber weniger in den Griechen und Römern als in den Germanen wiederfindet. So meint er in der Widmung der ersten Auflage des Werkes an König Georg von Hannover: „Les peuples germains, longtemps meconnus, se montrent ä nous aussi grands, aussi majestueux que les ecrivains du Bas-Empjre (romain) nous les avaient dits barbares." Die Germanen sind gewissermaßen die Krönung der weißen Rasse, die sich durch ihre höhere Intelligenz, ihre Ausdauer, ihren Ordnungssinn, ihre Freiheits- und Ehrliebe, ihren Lebenswillen von der inferioren gelben und schwarzen Rasse auszeichnet. Andererseits ist der Weiße weniger sinnlich veranlagt als die Farbigen. Auf die semitische Rasse ist Gobineau als bibelgläubiger Christ nicht schlecht zu sprechen; geht doch aus ihr das auserwählte Volk Gottes hervor. Ihre schlechten Eigenschaften verdankt sie der Mischung mit den Schwarzen, die bei dem hamitischen Zweig besonders auffällig ist. Baalskult, Tempelprostitution u. dgl. sind den Semiten auf diese Art zugetragen worden. Sie verbreiteten die Laster aber weiter auf Europa, zuerst auf Griechenland, dann auf Rom, als das Weltreich die Völker und Rassen durcheinanderwarf. So kam Gobineau dazu, das fünfte Buch seiner Ausführungen zu überschreiben: „Semitisierte europäische Kultur" und mit einem Kapitel: „Semitisiertes Rom" zu beschließen. Ohne es eigentlich zu wollen, hatte der an sich vornehm denkende Mann, dem es nur auf die Verherrlichung der ario-germanischen Rasse ankam, der weiteren Entwicklung der Rassentheorie in judenfeindlichem Sinn den Weg geebnet. Das tritt noch deutlicher zu Tage in einem späteren Werk, der „Geschichte der Perser" (1869), die Gobineau nach seiner zweiten diplomatischen Mission nach Teheran herausgab. Hier kommt er wiederum auf den Gegensatz zwischen Ariern (Persern) und Semiten zu sprechen. Auch in dieser Schrift findet er die Lichtseiten bei den Persern, die Schattenseiten bei den Semiten. An letzteren geht das Perserreich schließlich zu Grunde. Dabei spielen auch die Juden, von denen Gobineau sonst wenig spricht, eine Rolle, die aber nicht einheitlich erscheint. Er findet19), daß die Gedanken der ersten Hebräer viel mehr Ähnlichkeit mit denen der Arier als der übrigen Semiten *») Buch II, S. 121. 51