Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 50 (sequence 11)
- Language
- German
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Siegmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantiseraitismus" in Deutschland lichung anmuten18). Die arischen Indier gehören zur kaukasischen Rasse vermöge ihrer Sprache (!) und ihres physischen Typus. Das arische Geschlecht ist das wichtigste und herrschende, weil es das Kulturvolk Indiens ist. Zu bestimmen sind, wenn möglich, die Eigenschaften, die unwandelbar diesem Volke angehören. Wir müssen als Grundlage des Charakters eine ursprüngliche geistige Anlage bei den Völkern anerkennen; sie ist der von der Schöpfung eingehauchte Genius der Völker. Sie war den Indern mit den stammverwandten Völkern gemeinschaftlich. Nur wenige Völker der Erde sind der höheren Befähigung selbständiger Bildung teilhaftig: Chinesen, Ägypter, Semiten und Indogermanen. Die letzteren sind aber ohne Zweifel die am höchsten Begabten; wir müssen unter den kaukasischen Völkern den Indogermanen entschieden die Palme zuerkennen. Die Geschichte bezeugt, daß die Semiten nicht das harmonische Gleichmaß aller Seelenkräfte besitzen, durch welches die Indogermanen hervorragen. Das Gemüt und mit ihm die Leidenschaft, die besondere Persönlichkeit mit energischem Willen und scharfen Verstand waltet bei dem Semiten vor; er kann die Beziehung der Welt zum Menschen überhaupt von der zum eigenen Ich nicht trennen, er kann den Gedanken nicht in reiner Objektivität dem Geiste vorstellen, seine Anschauungsweise ist subjektiv und egoistisch. Epos und Philosophie gehören dem Semiten nicht; in seiner Religion ist der Semit selbstsüchtig und ausschließend; Jehovah ist nur der Gott der Hebräer. Ihrer Lehre nach mußten die Semiten intolerant und zum Fanatismus geneigt sein. Die alten Völker sind sonst tolerant; dies tritt am deutlichsten bei den Indogermanen hervor. J * | Man erkennt bei Lassen Gedankengänge, die sich auch in den Lehren Gobineaus wiederfinden, wie wir gleich sehen werden, aber ihre volle Auswirkung erst viel später erfuhren. Während man bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts im Allgemeinen in der Rassenlehre soweit gelangt war, der weißen Rasse das Primat über die farbigen Rassen zuzuerkennen, wird nunmehr der weitere Schritt getan, die Unterabteilungen der weißen Rasse unterschiedlich zu bewerten. Zwar gab G o b i n e a u, wie aus Lassens Ausführungen hervorgeht, nicht den Anstoß zu dieser Betrachtungsweise; aber seine Schrift: Essai sur l'inegalite des "Races humaines fand eine weit größere Verbreitung und nachhaltigeren Widerhall in Europa als die „Indische Altertumskunde" des stillen Gelehrten. Die ersten zwei Bände des Essai erschienen 1853; die beiden letzten 1855. Später wurde das Werk auf zwei Bände zusammengezogen; doch erlebte Gobineau, der 1882 starb, die zweite Ausgabe nicht mehr. Er glaubt, aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung die Eigenart der Rassen und den Prüfstein ihres Wertes wieder aufbauen zu können. Damit geht Hand in Hand eine romantische Vorstellung von einem alten heroischen Zeitalter, wo religiöser Glaube und politische Treue, ungemindert durch die modernen Zweifel, «) Chr. Lassen, Arische Altertumskunde, Bd. I (1847), S. 400 ff. 50