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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 46

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 46 (sequence 7)
Language
German
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Siegmund Feist Zur Geschichte des „Rassenantiseniitismus" in Deutschland wurde Europa der Sitz der höchsten humanen Bildung und zugleich der Herrschaft über die Erde." „Die weiße Rasse erhält sich an allen Stellen der Erde, wenn sie rein bleibt (S. 63)." „Es ist durch lange Erfahrung erwiesen, daß die Eigentümlichkeit der Rassen, solange die Rasse selbst nur unvermischt bleibt, trotz aller Veränderungen des Klimas, der Lebensweise, der Bildung usw. unverändert fortdauert." In seiner Auffassung des Verhältnisses der Glieder der weißen Rasse zueinander eilt W. Menzel seiner Zeit weit voraus. Er drang auch zunächst noch nicht durch. Weit einflußreicher war ein Werk des Dresdener Oberbibliothekars G. F. Klemm: Allgemeine Kulturgeschichte der Menschheit, das in zehn Bänden in den Jahren 1843—1853 erschien. Ihm verdankt man die bis heute, wenn auch in modifizierter Gestalt nachwirkende Lehre von den „aktiven" und „passiven" Rassen. Durch diese Einteilung wird neben den körperlichen Unterschieden, die Klemm sehr eingehend hervorhebt, auch die Theorie von der andersartigen geistigen Veranlagung der Rassen in die Wissenschaft eingeführt. Zu den „aktiven" Rassen rechnet Klemm die Arier, Araber, Griechen, Römer, Perser und Germanen 14). Zu den „passiven" Rassen gehören vornehmlich Neger und Mongolen. Merkwürdig abweichend von dem heutigen Bild einer Edelrasse ist der Normaltypus eines „aktiven" Rassenmenschen bei Klemm. Er hat nach ihm zwar einen schlanken, großgewachsenen Körper, aber einen runden Schädel15) mit vorwärts dringendem Oberhaupt, hervortretender Stirn und großen runden Augen, feines, oft gelocktes Haar, kräftigen Bart und zarte, rötlich durchschimmernde Haut. Der Edeltypus Klemms ist also der südeuropäische Mensch, den die moderne Rassenforschung gern als „semitischen" Typ kennzeichnet. Freilich gehört der „Semit" in den Augen der Rassefanatiker der modernen Zeit gerade zu den passiven Rassen, die vom Arbeitsschweiß der Angehörigen der nordischen Rasse als Schmarotzer leben. Sie transit gloria mundi, auch in Rassefragen! Für Klemm sind das ausgebildete Hinterhaupt (also der Langschädel), die länglichen Augen, das zurücktretende Kinn Kennzeichen des „passiven" Menschen; die Nase ist bei ihm wenig erhaben, rund und stumpf. Daneben hat er oft geschlitzte Augen und hervortretende Backenknochen, der Bart ist dünn, das Haar straff, die Haut ist gefärbt; also mongolische Merkmale. Aktive Rassen findet man in Afrika und Europa, auch auf den Südsee-Inseln. Überreste der aktiven Rasse sind überall zerstreut: Kaukasier, Drusen, Kurden, Afghanen, Kaschmirer, Mahratten, Mauren, Beduinen usw. Als Triebfeder des Handelns aktiver Rassen gilt neben dem Streben nach Besitz die Erlangung von Ruhm. Da Klemm die Juden unter die Beduinen rechnet, so gehören sie nach ihm also zu den „aktiven" Rassen. Klemms Lehre hatte großen Erfolg und beeinflußt die Forschung bis auf unsere Tage, nur daß die Rollen der Völker vielfach vertauscht sind. Wie man aus dieser Aufzählung ersieht, liegt Klemm eine andersartige Bewertung der arischen und semitischen Rasse noch ganz fern. 15) Der heutige „Edelmensch" muß einen langen Schädel haben! 46

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