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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 44

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Zur Geschichte des "Rassenantisemitismus" in Deutschland
Date
1930-04-01
Page
Seite 44 (sequence 5)
Language
German
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Siegmund Feist. Zur Geschichte des „Rassenantisemitismus" in Deutschland der einmal geschaffene Terminus erhielt sich nunmehr in anderem Sinne, und die Rolle der „Arier" in der Geschichte der Menschheit des neunzehnten Jahrhunderts begann damit. Die Verbreitung der „arischen" Sprachen deckt sich zum großen Teil mit derjenigen der weißen Rasse. Da man nun die arischen Sprachen aus der enthusiastischen Einstellung der Begründer der Sprachwissenschaft heraus für die vollkommensten der Erde anzusehen sich gewöhnt hatte, gelangte man auf diesem Wege zu einer Überschätzung der weißen Rasse und ihrer geistige» Struktur. Die Ansicht, daß die weiße Rasse allen anderen Menschenrassen überlegen sei, war schon von Blumenbach aufgestellt worden und seitdem ein feststehender Grundsatz der Rassenlehre. Die Proteste gegen die Behauptung fehlten zwar nicht (vgl. Herders Ansicht), hatten aber keine nachhaltige Wirkung. Doch hatte die neue Lehre mancherlei Schwierigkeiten, um sich gegen die biblische Ansicht vom einheitlichen Ursprung des Menschengeschlechts durchzusetzen. Wie auf vielen Gebieten der Wissenschaft suchte man zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auch in der neuen Rassenlehre Bibelglauben und naturwissenschaftliche Erkenntnis miteinander zu versöhnen. Hören wir z. B. was der schreibgewandte Erlanger Professor der Medizin Joh. Mich. Leupoldt über das Problem zu sagen hat9): „Das Menschengeschlecht ist ein Ganzes, und muß als solches eine früheste und Hauptwurzel haben, aus einem Urstamm hervorgegangen sein. Abweichungen in einzelne Rassen und Völker bildeten sich im Fortgange der Entwicklung nach den verschiedenen Erdgegenden . . . Die Zahl der Rassen ist schwierig zu bestimmen, da weitere oder spätere Modifikationen des Urwesens des Menschen dafür angesprochen werden können .... Eine je frühere Periode der Existenz des Menschengeschlechts wir annehmen, unter um so indifferenterer Form muß in ihr die Idee desselben erscheinen. Weder im Ganzen konnten bereits Trennungen in Rassen, Völker usw. weit gediehen sein, noch in den Einzelnen die einzelnen Tätigkeiten bereits so deutlich auseinander getreten sein und so vereinzelt wirken, als etwa in der gegenwärtigen Periode der Geschichte .... Die allmählich reger werdende Entwicklung der Gegensätze aus der Urindifferenz des Menschlichen mußte in die Erscheinung treten durch Zerfallen in Rassen, Völker usw., die sämtlich gegen den Urstamm gehalten als Einseitigkeiten erscheinen, wenn auch in den einen Höheres, in anderen Niedrigeres und überhaupt vielfache Modifikationen sich darstellten. Zugleich damit mußten sich notwendig auch verschiedene Sprachen, Lebensweisen, Ansichten, Körperbildungen usw. ausprägen, die jedoch, wie sie aus einer Wurzel ersproßten, alle irgend eine innere Verwandtschaft und Übereinstimmung behalten." 9) Grundriß der Physiologie des Menschen oder der physischen Anthropologie mit vergleichenden Andeutungen. I. Berlin, 1822, S. 26 ff. 44

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