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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 29

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Die Urkunden für die Juden von Speyer 1090 und Worms 1157
Date
1930-04-01
Page
Seite 29 (sequence 2)
Language
German
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Sara Schiffmann. Die Urkunden für die Juden von Speyer 1090 und Worms 1157 Urkunde Friedrichs II. für die Juden in Wien von 1238 verglich, hat die wörtliche Anlehnung der Wiener Urkunde an die Wormser aufgezeigt*). Das führt uns mit ihm zu der Annahme, daß wenigstens die Urkunde Friedrichs II. von 1236 in ihrer ursprünglichen Form vorliegt. Wir lassen aber im Gegensatz zu Hoeniger zunächst die Möglichkeit zu, daß die von Friedrich II. inserierte Urkunde Friedrichs I. von 1157 Zusätze oder Veränderungen erfahren hat. Ferner hat Hoeniger die Wormser Urkunde von 1157 mit der Urkunde von Speyer 1090 verglichen. Es zeigt sich eine fast wörtliche Uebereinstimmung, abgesehen von der Eingangs- und Schlußformel, vom ersten Absatz und einigen weiteren Stellen5). Die Speyerer Urkunde beginnt mit einer Schutzbestimmung6). In ihr erscheint Huozman, der Bischof von Speyer, als Vermittler. Im Absatz 14 der Urkunde ist der Bischof als höchste Gerichtsinstanz genannt; von ihm ist auch der Vorsteher der Synagoge abhängig (qui ex parte episcopi preest Synagoge), und an seine Kammer werden neben der kaiserlichen Straf- und Bußgelder abgeliefert (Abs. 2, 7). In der Wormser Urkunde von 1157 unterstehen die Juden unmittelbar dem König und dürfen an ihn als höchste Instanz appellieren. Die Schutzbestimmung fehlt, dagegen lautet der erste Absatz: . . . ut nec episcopus, nec camerarius, nec comes, nec scultetus, nec quisquam penitus nisi quem ipsi de se elegerint, de aliqua re vel iusticie alicuius exaccione cum eis vel adversus eos tractare presumat, nisi tantum ille, quem ex eleccione ipsorum, ut prefati sumus, ipse imperator eis prefecerit, presertim cum ad cameram nostram attineant, (prout) nobis complacuerit. Die ausdrückliche Betonung des letzten Satzes ist auffallend. Die wörtlich übereinstimmenden Stellen lassen eine gemeinsame Vorlage vermuten. Wie aber sind die Abweichungen zu erklären? Waren die von Heinrich IV. ausgestellten Urkunden für Worms und Speyer gleichen Wortlauts, und sind die Abweichungen durch spätere Zusätze entstanden, oder sind die Urkunden von vornherein verschieden gewesen? — Hoeniger kommt zu dem Schluß, dem sich B r e s s 1 a u und S t o b b e angeschlossen haben7), die Speyerer Urkunde sei „ihrem Inhalte nach so bestimmt und zweckbewußt im bischöflichen Sinne, nach Maßgabe der weiterentwickelten Zustände etwa aus der Zeit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, interpoliert, daß sie als echte Kaiserurkunde nicht mehr angesprochen werden darf"8). Sie stehe in Widerspruch mit dem nur wenige Jahre älteren bischöflichen Privileg 4) Hoeniger, das. 145 ff. 5) Abs. 2, 8, 12, 14; Abs. 11 und 13 sind in der Speyerer Urkunde unvollständig. 6) Vgl. den Judenschutzbrief Ludwigs des Frommen, Form. 52, MG LL Sectio V, 325 u. a. 7) ZGJ 1, Bresslau S. 156, Anm. 22 (vgl. unten Anm. 14); Stobbe S. 210: das uns erhaltene Speyerer Privileg nehme an mehreren Stellen Aenderungen in so tendenziöser Weise vor, „daß es unmöglich als ein echtes Privileg König Heinrichs IV. gelten kann." 8) Das. S. 151. 29 i

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