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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 24

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Moritz Lazarus über die Bedeutung der Geschichte der Juden, nach seinen Jugendbriefen
Date
1930-04-01
Page
Seite 24 (sequence 11)
Language
German
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A. Tänzer. Moritz Lazarus über die Bedeutung der Geschichte der Juden gend und strebend, und hört nimmer auf zu ringen und zu streben, windet und krümmt sich; wenn jene blutigen äußeren Kämpfe, welche die Menschen um irdisches Gut gegeneinander geführt haben, Tränen unsern Augen entlocken, um wie viel mehr wird es jener innere Kampf um Wahrheit, jener Kampf gegen Wahn und Irrglaube, gegen Täuschung und Zweifel; wenn wir mit Wehmut hinblicken auf jene Trümmer von Städten und Burgen, die durch Feuer und Schwert, oder durch die Macht der Zeit verwüstet sind, mit wie viel größerem Schmerze müssen wir dann jene Trümmer von Systemen betrachten, welche einst für Wahrheit galten, einst ein Asyl sein sollten für den flüchtigen Geist, der getrieben wurde von den Furien des Zweifels, und nunmehr in Asche hegen, welche einst eine lebende Quelle sein sollten und waren für die nach Wahrheit dürstende Seele, und nunmehr versiegt sind, welche einst der Baum des geistigen Lebens und der Erkenntnis sein sollte und war, der dem müden Wanderer im Gebiete des Geistes Früchte und Schatten darbiete, und der nunmerir verdorrt ist? Wie sehr nun dieser Gedanke uns auch demütigt und das daraus hervorblickende, beklagenswerte (?) Unvermögen der Menschheit uns niederbeugt, ebenso sehr macht uns das dennoch unablässige, unermüdliche, unaufhörliche, ja stets wachsende, immer kühnere Streben der Menschheit wiederum stolz und erhebt uns gewissermaßen über uns selbst. Je kleiner uns die intellectuelle Kraft der Menschen erscheint, wegen der Fruchtlosigkeit ihres Forschens nach Wahrheit, desto größer, desto höher, desto achtungs- und schätzens- und bewunderungswerter ist die sittliche Kraft derselben, die sich in dieser Beharrlichkeit und Ausdauer kundtut. Und diese sittliche Kraft übt sittlichen Einfluß auf den, der sie betrachtet; denn wenn irgendwelche Handlungen, die wir. in der Geschichte erblicken, uns Achtung vor der Menschheit einflößen, wenn irgend welche Großtaten uns zur Bewunderung und zum Staunen hinreißen, wenn irgend welche Begebenheiten unsere Liebe zur Menschheit anfeuern und anspornen, wenn irgend etwas uns die Menschheit in dem Lichte zeigt, in welchem sie erscheint als die gottentstammte, durch Gott zur Sittlichkeit berufene, heilige, wenn ferner irgend etwas uns die Liebe zur Wahrheit und Mut zur Erforschung derselben verleihen kann, so ist es — die Menschheit in der Geschichte der Philosophie. Darum ist jene Träne, die wir ihr weihen, nicht minder eine Freudenträne, eine Träne des Beifalls, den keine Zunge auszusprechen vermag. Eine Freudenträne ist es ferner, weil wir neben jenen Trümmern von Systemen auch wiederum neue Paläste erblicken, die zwar auch zu Trümmern wurden, aber wiederum zu neuem Aufbau dienten. (Erinnern Sie sich des Gedankens, den ich im Anfang dieses Briefes erwähnte.) Und in der Tat blieb ja das Streben der Menschheit und ihr Forschen nach Wahrheit niemals fruchtlos, und ihre Mühe war niemals ganz vergebens. Es würde mich viel zu weit führen, wollte ich auch nur die Wahrheiten herzählen, welche der Menschheit mit höchster Evidenz gewiß sind, aber den Einen, den wichtigsten kann ich nicht übergehen, 24

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