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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 15

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Moritz Lazarus über die Bedeutung der Geschichte der Juden, nach seinen Jugendbriefen
Date
1930-04-01
Page
Seite 15 (sequence 2)
Language
German
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A. Tänzer. Moritz Lazarus über die Bedeutung der Geschichte der Juden „Braunschweig, den 1. August 1845. Werteste Cousine! Im Anfange der vorigen Woche lud mich einer meiner Lehrer, Dr. Griepenkerl, Professor der Philosophie und schönen Künste zu sich; im Laufe einer sehr lehrreichen Unterhaltung kamen wir auf Natur- Recht zu reden, worüber ich ihm meine Gedanken mitteilte, welche er durchaus neu und nicht ganz unrichtig fand, weshalb er mich bat, diese im Zusammenhang niederzuschreiben. Ich hatte meine Ansichten teils auf diejenige, welche Mendelssohn in seinem „Jerusalem4* niedergelegt, gestützt, teils auch gegen diese angekämpft, weshalb ich mich gleich bei meiner Nachhausekunft daranmachte, die betreffenden Stellen daselbst nachzulesen. Mein Gedächtnis hatte mich nicht getäuscht, gleich wohlgenährten jungen Bäumen hatten jene Vorstellungsreihen in gehöriger Ordnung Wurzel geschlagen und den Stürmen der Zeit getrotzt. Indem ich nun diese vor meine Seele führte, trat auch die Erinnerung an die Zeit, da ich sie gepflanzt, wieder hervor, die Erinnerung an jene Abende, da ich Ihnen die trefflichen Gedanken jenes praktischen Philosophen entwickelte. O' welche Erinnerungen waren das und was für Empfindungen knüpften sich daran! Nie hatte ich reinere Freuden genossen, als eben in jenen Stunden der erhebenden Erhebung, der geistigen Mitteilung, nie war ich glücklicher, als eben in jenen Stunden, da ich, mich selbst emporschwingend zur Höhe des Gedankens, der Fittig war, der auch Sie aufwärtshob, nie hatte ein höheres Wonnegefühl in meinem Herzen gewohnt als eben in jenen Stunden, da das einzig dauernde Interesse, das für das Wahre und Würdige, uns mit dem Bande der Freundschaft immer fester verknüpfte........ Ueber mein äußeres Leben kann ich Ihnen mit einem Worte alles sagen: Ich lebe wie ein Armer; d.h. aber gottlob nicht dürftig, ich habe, was ich bedarf, um mein Leben zu fristen. Und das ist vollkommen genug, denn hätte ich mehr, würde Gott mich mit Ueberfluß strafen, dann würde ich entweder weniger treu dem mir vorgesteckten gottgeweihten Ziele zustreben oder, wie Demokrit meinen Geist über diese Erde erhebend, die Güter derselben vernachlässigen, und ich glaube, meine Landsleute würden mich nicht minder hart anklagen, als die Abderiten ihren Demokrit anklagten. So aber, da ich weder an Mangel noch an Ueberfluß leide, kann ich, weder von Sorgen noch von Genüssen gestört, meinem Geiste und dessen Ausbildung leben, worüber ich Ihnen nun Einiges mitzuteilen begriffen bin. Zuvörderst gehen meine Gymnasialstudien jetzt, nachdem ich mit einigen Riesensprüngen mich auf die höchste Stufe derselben hinaufgeschwungen habe, ihren ruhigen Gang vorwärts. Was mir diese Studien außer dem in ihnen selbst hegenden hohen Interesse, da sie sich meistenteils um das Altertum drehen, noch sehr viel Angenehmes darbieten, liegt in dem freundschaftlichen Verhältnisse, in welches sie mich zu meinen früheren und jetzigen Lehrern versetzen. Ich bin zu sehr von Ihrer schwesterlichen Teilnahme an mein Wohl über-

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