Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
Moritz Lazarus über die Bedeutung der Geschichte der Juden, nach seinen Jugendbriefen
Date
1930-04-01
Page
Seite 14 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259282-2259284-2260290--2825-2260335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Moritz Lazarus über die Bedeutung der Geschichte der Juden, nach seinen Jugendbriefen von A. Tänzer Im Talmud (Sukka 53a) wird von den „Frommen und Männern der Tat" berichtet, daß sie von sich sagen durften, ihre Jugend habe ihr Alter nicht beschämt, der Jüngling habe sich als würdige Vorstufe des Greises erwiesen. Ein Gleiches gilt von Moritz Lazarus, auch sein Lebensbild zeichnet sich durch geschlossene Einheitlichkeit aus. Nichf nur war sein gesamtes, weitverzweigtes und erfolgreiches Wirken von einem einheitlichen Grundzuge getragen, nicht nur bildet der Philosoph und der Mensch, der Deutsche und der Jude in ihm ein innerlich geschlossenes Ganze, sondern auch seine geistige Entwicklung trägt einheitlichen Charakter; die Erzeugnisse seines jugendlichen Geistes bilden nicht nur würdige, sondern auch inhaltlich übereinstimmende Vorläufer der wertvollen Schöpfungen, mit denen er späterhin und bis ins hohe Greisenalter hinein die Wissenschaft bereichert hat. Diese Vorläufer reichen zurück bis in die Jahre am Ober-Gymnasium in Braunschweig, aus welchen ich noch unveröffentlichte Vorträge, Abhandlungen und Briefe in 'Lazarus' literarischem Nachlasse vorgefunden habe. Sie alle bekunden, trotz mancher jugendlicher Ueberschwänglichkeit, bereits den werdenden Meister des Gedankens und Wortes. Vornehmlich die Briefe enthalten bereits Ideengänge, welche die Entwicklung zum künftigen Begründer der Völkerpsychologie zeigen, wenn sie auch, da Lazarus damals noch Rabbiner werden wollte, zumeist in die Religionsphilosophie einmünden. Dem bevorstehenden Erscheinen der „Briefe von Moritz Lazarus" vorgreifend, seien hier einige Auszüge aus diesen Briefen, besonders soweit sie sich mit dem tieferen Erfassen der Geschichte und dem Begriffe des Gesamtgeistes beschäftigen, mitgeteilt. Bemerkt sei nur noch, daß diese Briefe aus der Gymnasialzeit an seine Cousine Johanna, verehelichte Berendt, in Kopenhagen, gestorben 1917 im Alter von 95 Jahren, einer Tochter seines Vaterbruders, gerichtet waren. Bei diesem, namens Sander, der in Hastedt bei Bremen wohnte, hatte Moritz, ehe er nach Braunschweig ging, in den Wintermonaten 1843-44 als Gast geweilt und mit der geistig hochstehenden, noch unverehelichten Johanna eifrig geschichtliche und philosophische Studien getrieben, die zu einer gedankentiefen, von 1845 bis 1860 währenden Korrespondenz führten. 14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.