Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Judenbegräbnisse und Leichenabführung in Leipzig
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 4)
- Language
- German
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k a n Herz, dem Freunde Moses Mendelssohns, David Hirsch, Herz Lob Levi und LeserPhilipp erfahren wir, daß diese vier Juden bei vorkommenden Todesfällen für arme Juden die Kosten an den Rat entrichten mußten, und zwar: „die Jurae Stolae in Höhe von 6 Thlr. 6 Groschen und außerdem noch 4 Gr. 6 Pf. an den Gerichtsfrohn." Als die Leipziger Judengemeinde an obigem Tage den Rat bat, „daß er ihnen dieselben Vergünstigungen angedeihen lassen möchte wie der aus mehreren hundert Familien bestehenden Judenschaft in Dresden, beschied sie der Rat abschlägig." Er verwies Elkan Herz, den Vorsteher der Judenschaft, auf das kurfürstliche Mandat vom Jahre 1698. Auch ein zweites Gesuch vom 13. November 1811 hatte keinen Erfolg.!) Brühl. 2) Ein ehrbarer, hochweiser Rat. 3) 140 Taler waren in damaliger Zeit eine bedeutende Summe, verdiente doch der Geselle in derselben Zeit bei freier Kost und Wohnung die Woche höchstens 12 bis 14 Groschen. Bücherschau Ludwig Feuciitwanger . . Zwei Mendelssokn-Festschriften I. MOSES MENDELSSOHN. Zur 200 jährigen Wiederkehr seines Geburtstages. Herausgegeben von der Encyclopaedia Judaica. Verlag Lambert Schneider. Berlin 1929. VI, 138 S. mit 6 Bilderbeilagen. II. GEDENKBÜCH FÜR MOSES MENDELSSOHN. Herausgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Mit Beiträgen von J. Bergmann, S. Bernfeld, I. Elbogen, Max Freudenthal, Leopold Hirschberg, A. Lewkowitz, Paul Michaelis, Franz Muncker, Hanns Reissner, Franz Rosenzweig. Verlag von M. Poppelauer, Berlin 1929. 171 Seiten mit 1 Bilderbeilage. I. Vier Beiträge von hohem Niveau und 6 seltene Bilderbeilagen in einem Buchrahmen, wie alle Erzeugnisse des Verlages Lambert Schneider von erlesenem Geschmack, machen die Gabe der Encyclopaedia zu einem würdigen und zur allgemeinen Verbreitung besonders geeigneten Festband, der seinen Wert behalten wird. Der Charakter der Festgabe und der Zweck des schönen Buches erforderten bei allen vier Beiträgen geschlossene, für einen weiteren Kreis von Anhängern bestimmte Darstellungen, unbeschwert von wissenschaftlich-kritischen Einzelheiten, so daß man gerade von dieser Sammlung eine Neuorientierung über die geistige Gestalt von M. M. oder wissenschaftlich neue Fragen oder Antworten nicht erwarten darf. Namentlich der erste Beitrag von Bruno Strauss gibt in seiner gedrungenen, übersichtlichen Art das denkbar beste festliche Bild von Lebensgang und Gedankengebäude des Gefeierten, natürlich mit einer nur positiven liebevollen Deutung seiner geschichtlichen Funktion für die jüdische Geschichte. Die zehn Abschnitte der Strauss'schen Abhandlungen erfreuen nicht bloß durch die Zuverlässigkeit und Dichte der reinen Berichterstattung, sondern vor allem durch die deutenden Lichter, die überall in fein verteilter Satzgliederung und in verstreuten Nebenbemerkungen der fließenden Mitteilung der Hergänge aufgesetzt sind und an die vorzüglichsten literarhistorischen Vorbilder von Erich Schmidt, Gustav Roethe, kurz der Berliner Schule von vor 20 Jahren, erinnern. In gewohnter Meisterschaft gibt in der zweiten Abhandlung Ernst Cassirer einen Ueberblick über die Philosophie Mendelssohns, die ja eine eigentliche gedankliche Neuschöpfung nicht sein will. Die geschichtliche Stellung von Ws Popularphilosophie, seine Lehre von den drei Wahrheiten, seine sich an Christian Wolff anlehnende Metaphysik und rationale Psychologie, 332