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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 317

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen
Date
1930-01-01
Page
Seite 317 (sequence 14)
Language
German
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Manfred Laubert. Zur EntwickeJung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen der jüdischen Korporation, und jede Anstalt hatte einen von der Regierung bestätigten Verwaltungsetat und Unterrichtsplan (Immediatzeitungsbericht d. Reg. für März). 1835 gab es 15 Schulen bei 22149 Köpfen, i. J. 1840 schon 17 und 1842 sogar 19, davon drei mit je drei und fünf mit je zwei Klassen, im ganzen 30 Klassen mit ebensoviel Lehrern. Ohne Unterricht biieben 1834 noch 731 Judenkinder, 1836 noch 509, 1837 noch 455, 1838 noch 305 und 1840 nur noch 266. Die Zahl nahm also beständig ab. Ebenso war der Prozentsatz der christliche Anstalten besuchenden Kinder recht beträchtlich (1836: 924; nach Immediatzeitungsbericht für Juni 1838 waren im Vorjahr 2250 in jüdischen und 1042 in christlichen Schulen untergebracht, nach dem für März 1841 2250 und 1147, während ohne Unterricht wieder 291 blieben). Auf die christlichen Schulen waren natürlich die kleinen Gemeinden und durchweg die verstreuten Familien auf dem Land angewiesen. Eigene Schulsysteme besaßen die Juden vor allem in Fordon, Filehne, wo die Anstalt als besonders gut gerühmt wurde, Czarnikau, Kolmar, Lobsens, Exin, Gnesen, Nakel, Schönlanke, Witkowo, Labischin und Inowrazlaw. Für die folgenden Jahre liegen derartig ausführliche Nachrichten nicht mehr vor. 1845 betrug die Zahl der jüdischen Schulen im Posen er Bezirk 45. Als bei Beratung des allgemeinen neuen Judenreglements die Geheimräte Ladenberg und Mathis über die ständischen Beratungen von 1845 referierten, bei denen in Posen durch Denkschrift vom 5. April der Wunsch nach baldigem Erlaß einer Bestimmung über das jüdische Kultus- und Schulwesen zur Ausführung der Vorbehalte in § 39 des Edikts von 1812 geäußert wurde, hatten sie sich umfangreiches Material von den Regierungen eingefordert. Hiernach betrug die Zahl der jüdischen Einwohner im Departement Posen 53 806, davon 51 991 in den Städten, und von den schulpflichtigen Kindern besuchten 1886 christliche, 6896 jüdische Schulen und sieben genossen Privatunterricht, zusammen 7889 gegen 3906 im Bromb erger Regierungsbezirk (24 343 jüdische Einwohner), zusammen 12 695 bei 78149 Einwohnern. In einigen Städten war der Schulausbau durch besonders erfreuliche Umstände gefördert worden. In Fraustadt bildete sich z. B. 1826 eine Armenschule, bei der durch milde Beiträge für Lehrbücher und Winterkleidung gesorgt wurde. In Ostrowo entstand 1834 ein Verein zur Erziehung jüdischer Waisenkinder. Immerhin hielt es Altensteins Nachfolger, Eichhorn, noch am 14. März 1842 für angebracht, durch einen Runderlaß alle Regierungen zu vorzüglicher Aufmerksamkeit auf den jüdischen Schulunterricht anzuhalten, da die unverhältnismäßig große Zahl jüdischer Verbrecher unter anderem durch ihre schlechte Schulbildung veranlaßt würde. Eine Entlastung von zweifelhaftem Wert brachte den Judengemeinden die Gesellschaft zurVerbreitung des Christentums unter den Israeliten. Ihre Einwirkung beginnt Ende der 20er Jahre. Bereits 1829 gründete sie im Posener Departement zwei neue Missions- 317

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