Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 13)
- Language
- German
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Manfred Laubert. Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen hielt sich nach einzelnen glücklichen Erfahrungen, wie in Schubin, zu der Hoffnung für berechtigt, daß der besser gesinnte Teil der Judenschaft den angeordneten, nur die Verbesserung ihres Zustandes bezweckenden Maßnahmen mit Vertrauen und Bereitwilligkeit entgegenkommen werde. Im Verwaltungsbericht für 1827 hob sie hervor, daß „mehrere Subjekte jüdischen Glaubens" Examina bestanden hatten, nach denen ihre Anstellungsfähigkeit als Lehrer ausgesprochen werden konnte. Aber 1828 bestanden im Departement erst sieben öffentliche Schulen, wovon sechs seit 1814 und vier mit fünf Lehrern allein im Jahre 1826 angelegt worden waren, neben ebenso vielen neuen Privatanstalten (bei 19 962 Köpfen und 3762 schulpflichtigen Kindern). 1829 waren es neun, 1832 schon dreizehn. Doch noch 1828 klagte die Regierung, daß die Bildung neuer ordentlicher Anstalten und die Unterdrückung der Winkelschulen viele Schwierigkeiten bereiteten. Nach dem Gesetz von 1833 setzt unverkennbar ein Aufschwung ein, der dank kgl. Zuwendungen das Posener Volksschulwesen allgemein betraf. Von 1833—36 entstanden in der Provinz 46 jüdische Lehrinstitute, wobei aber eine Anzahl minderwertiger eingegangen zu sein scheint, denn die Posener Regierung führte 1834 trotz der Organisation eines Schulsystems in Kempen nur noch 40 bei 50 632 Einwohnern an (484 katholische bei 506 458 Einwohnern, 213 evangelische bei 192845 und 218 simultane), doch bereits elf besaßen eigene Häuser und der verfügbare Durchschnittsfonds betrug 259 r. Die Lehrerzahl hatte sich um 19 gehoben, nur leider die der geprüften Kräfte sich um 12 vermindert18). Flottwell hob in seinem Verwaltungsbericht gern den wohltätigen Einfluß des Gesetzes hervor, denn die Gemeinden genügten der ihnen dadurch auferlegten Pflicht „mit lobenswertem Eifer"19). Er zählte, wohl in der Provinz, 51 z. T. „recht gut organisierte" jüdische Anstalten, während viele Kinder die christlichen frequentierten. Ihre Zahl, 1425, war gegen das Vorjahr um 444 gewachsen. Die Entwicklung vollzog sich freilich nicht ohne Rückschläge, wie folgende allerdings schwerlich auf ganz genauen Zahlen beruhende Tabelle für den Posener Bezirk beweist: Jahr jüd- Einw. schulpflichtige Kinder dav. in christl. Schulen in jüd. Schulen jüd. Lehrer davon geprüft vacante Lehrerstellen am 31. 12. 1835 49550 9396 1397 6271 124 111 - 1836 51104 9039 1804 5766 119 104 5 1837 49 709 9032 1545 5893 110 99 10 Im Regierungsbezirk Bromberg stand Anfang 1836 jede öffentliche jüdische Schule unter einem besonderen Schulvorstand, der sich zusammensetzte aus dem Ortsbürgermeister, dem evangelischen Ortsgeistlichen, einem Verwaltungsbeamten und zwei Repräsentanten 316