Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2259275-2259276-2259281-2260143--2726-2260224- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Manfred Lauberl. Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen liehen Religionsunterricht Manche Lehrer leisteten wenig. Durchweg bestand nur eine Klasse für alle Altersstufen beider Geschlechter. Auch im folgenden Jahr war keine Änderung ersichtlich. Der Magistrat erklärte zwar den auf Verlangen vom Korporationsvorstand der Regierung eingereichten Nachweis der schulpflichtigen Kinder, worüber die Angaben bisher stark geschwankt hatten, für ganz unzuverlässig, weil von 370 Kindern 125 noch nicht oder nicht mehr schulpflichtig sein sollten; doch die Staatsbehörde mußte von neuem den Stadtvätern unter Zusammentritt mit dem Oberrabbiner die Beendigung der herrschenden Vernachlässigung des Bildungswesens ernstlich zur Pflicht machen. Also auch nach dem Gesetz von 1833 erfolgte in Posen selber die Wandlung nur langsam und noch volle 10 Jahre später blieb ein hoher Bruchteil des mosaischen Nachwuchses ohne Schulbesuch16). Trotzdem gab jenes Gesetz einen mächtigen Antrieb, wie die Nachrichten aus der Provinz dartun. Einige Ansätze gehen auch hier bereits in die 20er Jahre zurück. So bemerkte die Posener Regierung in ihrer Verfügung vom 10. September 1824, daß, den Grundsätzen des Allgemeinen Landrechts gemäß, bereits an mehreren Orten besondere Schulen für die Sprößlinge jüdischer Eltern eingerichtet seien. 1826 wurden deren sieben neu geschaffen. 1828 erfolgten abermals sieben Neugründungen, während 16 Lehrer die vorgeschriebene Prüfung bestanden. 1829 wird' irn Verwaltungs- und Immediatzeitungsbericht für Dezember eine Besserung und regere Fürsorge notiert. Unter Anwendung kräftiger Maßnahmen war erreicht, daß von 9344 schulpflichtigen Kindern 460 in christlichen und 5604 in den 120 jüdischen Schulen17) Aufnahme gefunden hatten, also im ganzen 6064. 1830 entstanden fünf neue jüdische Schulen, 1831 drei-, während fünf geprüfte Lehrer neu angestellt wurden, so daß ohne die Hauptstadt 57 Volksschulen mit 164 Lehrern vorhanden waren. Sie wurden von 5720 Kindern besucht, deren 509 in christlichen Schulen untergebracht waren, zusammen 6229 von 8604 vorhandenen. 1832 kamen zu den 576 Schülern der vier Posener Lehrer in der Provinz bei noch 134 Lehrern 5804 (731 in christlichen Anstalten), bei insgesamt 9595 Kindern. Die 57 Schulen hatten bis auf sieben keine eigenen Häuser und 6570 r. Einkommen, also im Durchschnitt rund 115 r. Die Anzahl der die Lehrstunden dauernd besuchenden Schüler war indessen erheblich geringer als die Listen angaben. Vielmehr war dies nur bei 2809 Knaben und 2409 Mädchen in den jüdischen Anstalten der Fall, so daß noch Tausende mehr oder minder ohne Unterricht blieben. 1833 wurden wiederum 7 Schulen begründet, doch von 9626 Kindern gingen nur 7092 in solche (in christliche 1011), so daß im ganzen ein Nachlassen vermerkt werden mußte. Alierdings waren 13 geprüfte Lehrer angestellt worden, bei 154 vorhandenen. Mitunter wurden auch Anzeichen privaten Interesses registriert, so wenn 1836 Buchhändler Günther in Lissa der dortigen Anstalt 196 Bücher schenkte. Die Bromberger Behörde kündigte bei Bekanntgabe des Mai-Erlasses von 1824 den Kampf gegen die Winkelschulen an und 315