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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 312

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen
Date
1930-01-01
Page
Seite 312 (sequence 9)
Language
German
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Manfred Laubert. Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen 30 r. Entschädigung für den Direktor und Deckung der übrigen Unkosten genügen. Bei mehr als 15 Präparanden konnte eine Ermäßigung ins Auge gefaßt werden. Der fleißige Mann reichte am 14. Juli 1836 seine Ausarbeitung mit den nötigen Erläuterungen ein, empfing aber am 11. Dezember den unerwarteten und überraschenden Bescheid, daß das Kollegium sich die Sache reiflich überlegt und in Erwägung der Umstände beschlossen habe, den Plan fallen zu lassen und die Ausbildung der jüdischen Elementarlehrer nicht mit dem kgl. Seminar in Verbindung zu bringen. Somit bieb der traurige Zustand wiederum unverändert, und Nepillys Arbeit war nutzlos aufgewendet worden11). Wie notwendig eine Besserung aber gewesen wäre, zeigen die Daten über die Entwicklung des jüdischen Schulwesens im allgemeinen. Nach dem Versickern des Anlaufs von 1815 blieb die Judenschaft etwa ein Jahrzehnt auch in der Hauptstadt ganz und gar auf ein paar sog. gehobene Privatinstitute angewiesen, die hin und wieder ebenso in der Provinz Fuß faßten. Daneben blühten allenthalben die Winkelschulen, deren es in Posen einige zwanzig gab. Erst seit 1823 bewilligte der Magistrat aus den für den Ausbau des Erziehungswesens ohne Unterschied der Konfession erhobenen Erträgen der Mahl- und Schlachtsteuer auch einigen jüdischen Lehrern Gehälter, wofür sie ihre nur auf Knaben berechneten Schulen unentgeltlich zur Verfügung stellen mußten. Der Besuch höherer christlicher Anstalten gehörte zu den Seltenheiten. Von 1833—42 bestanden bloß 15 Israeliten in der Provinz das Abiturientenexamen. Der Geldpunkt spielte hierbei zweifellos ein wichtiges Hemmnis. Endlich wurde der Erlaß vom 15. Mai 1824 die Ursache dafür, daß die Regierungen sich auch um den jüdischen Unterricht und namentlich um die Vorbildung der dabei tätigen Kräfte zu bekümmern anfingen. Langsam begann der Kampf gegen die Winkelschulen, und es wurde mit Prüfungen, auch bei Schulvorsteherinnen, vorgegangen. Im März 1825 befahl die Behörde die Schließung der Anstalten aller 19 nicht durch solche ausgewiesenen Institutsleiter beiderlei Geschlechts. Aber auf Vorstellung des Oberrabbiners drückte man bei dem Mangel an geeignetem Ersatz ein Auge zu und gestattete einstweilen den brauchbarsten Elementen die Fortführung ihres Berufs. Weiter genehmigte die II. Abteilung des Kollegiums auf Vorschlag des Kaufmanns Guhrauer unter dem 18. April 1829 in einer Verfügung an die städtische Schulkommission einen neuen Organisationsplan. Danach sollten 1. 5 jüdische Vorschulen fortbestehen, in denen die Kinder bis zum vollendeten 7. Lebensjahre täglich 5 Stunden im Hebräischen unterrichtet wurden. Als Lehrkräfte hatten vom Rabbiner für tauglich erachtete Männer zu arbeiten. 2. Von den geprüften und mit der Erlaubnis zur Unterrichtserteilung versehenen Lehrern sollten nur so viele die Konzession zur Haltung von Schulen bekommen, wie das Bedürfnis erforderte. Die betreffenden Anstalten mußten der Aufsicht des jüdischen Schulvorstandes unterliegen, dem überlassen blieb, für unentgeltliche Unterweisung ärmer Kinder durch die privilegierten Lehrer zu sorgen. Der Unterricht hatte sich nach dem in der Instruk- 312

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