Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 8)
- Language
- German
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Manfred Laubert. Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen belasteten Lehrer eine unverantwortliche Überbürdung. Wenn ihnen dagegen der Besuch freigestellt wurde, gewannen sie nach 8 Tagen bei dem Menschen ihres Schlages eigentümlichen Selbstvertrauen und ihrer Selbstzufriedenheit, da sie beim bloßen Hospitieren ihren Mangel an Geschicklichkeit zur praktischen Handhabung des Elementarunterrichts nicht durch eigene Versuche erproben konnten, die Überzeugung, daß sie nun alle erforderlichen Kenntnisse erlangt hätten. Eine dauernde und Nutzen verheißende Zuziehung solcher Elemente war also mit den Zwecken des Seminars unvereinbar, und eine sporadische stiftete weniger instruktiven Vorteil als moralischen Schaden. Ohne besonderen Ausbau konnte der Anstalt keine Förderung des jüdischen Lehrernachwuchses zugemutet werden, dessen Verbesserung doch dringend not tat. Davon konnte man sich bei jeder Prüfung mosaischer Präparanden überzeugen, die vornehmlich bei Lehrversuchen „so unter aller Vorstellung miserabel" ausfiel, daß es Nepilly fast für sündhaft hielt, die Kinder der Seminarübungsschule zu solchen Experimenten herzugeben. Ein Präparand dieser Qualität, dessen Eigentümlichkeit durch seine Befangenheit noch verstärkt wurde, mußte auf sie immer einen so zu sagen „possierlichen Eindruck" hervorbringen. Zur Behebung des Übels schlug der Direktor deshalb die Gründung eines Privathilfsseminars in Posen für jüdische Schulamtsbewerber vor. Es kam nur darauf an, hierfür einige christliche und jüdische Lehrer zu gewinnen und zu vereinigen. Wenn etwa vier von ihnen je eine Stunde täglich unterrichteten, war das für die Hauptaufgabe ausreichend, da die Insassen außerdem an den Stunden einer guten jüdischen Elementarschule teilnehmen konnten. Bei 15—20 Kandidaten würden die Kosten auch bei mäßigem Schulgeld gedeckt. Eventuell ließ sich die theoretische Unterweisung obendrein am christlichen Seminar einrichten, doch verdiente für praktische Versuche eine mosaische Anstalt den Vorzug. Glänzende Ergebnisse erwartete der Antragsteller nicht, aber es wurde wenigstens eine amtlich anerkannte Ausbildungsgelegenheit geschaffen, auf die man die Anwärter verweisen konnte, wenn sie ihre künftigen Examinatoren „auf eine höchst widrige Weise" um Privatunterricht angingen, worunter die meisten nur einen bemäntelten Bestechungsversuch verstanden. Wenigstens hatte noch keiner Ausdauer gezeigt, wenn ihm, was regelmäßig geschah, ein tüchtiger Seminarist als Präzeptor zugeteilt wurde. Das P. S. K. fand bei dem täglich zunehmenden Bedürfnis nach brauchbaren alttestamentarischen Pädagogen die baldige Eröffnung der vorgeschlagenen Anstalt äußerst zweckmäßig und erstrebenswert. Für notwendig erachtete es aber, daß Nepilly selbst für den Anfang Leitung und Aufsicht bei dem versuchsweise auf ein Jahr einzurichtenden Institut übernahm. Er sollte einen Lehrplan für zwei Semester ausarbeiten, mit Verteilung der Stunden an geeignete Männer, deren fünf namhaft gemacht wurden, und, wenn seine sonstigen Verpflichtungen dies irgend zuließen, sich wenigstens alle 4 Wochen von den Fortschritten überzeugen. Bei 2—3 Stunden täglich mußten 1 r. 10. Sgr. Schulgeld monatlich zur Jahresremuneration von 30—36 r. je Lehrer, 311