Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 7)
- Language
- German
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Manfred Laubert Zur Entwickehing des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen traut war, entschloß sich wohl kaum, sogar mit staatlicher Beihilfe, eine Anstalt der fraglichen Art auch nur teilweise auf eigene Rechnung und Gefahr zu gründen. „Wir aber", schloß das Kollegium, deutlich von Bock abrückend, „möchten uns keineswegs erlauben, eine solche Unterstützung oder gar die gänzliche Unterhaltung eines jüdischen Seminars aus Staatsfonds zu bevorworten. Denn so höchst wünschenswert es auch wäre, eine so tief gesunkene Menschenklasse durch zweckmäßige Unterrichtsanstalten allmählich zu einem besseren Zustande zu erheben, so nehmen doch die christlichen Volksschulen in dieser Provinz die Beihilfe des Staats noch weit dringender in Anspruch". Hingegen erneuerte die Regierung bei dieser Gelegenheit ihren Antrag, das Ministerium möge die durch Erlaß vom 23. August 1826 nochmals untersagte Teilnahme jüdischer Kandidaten am Unterricht der christlichen Seminare mit Ausnahme der Religion wieder gestatten. Bei etwa 70 Ortschaften ließ sich voraussehen, daß sie aus eigenen Mitteln eine Schule würden unterhalten können. Die dabei für einen gewöhnlichen Elementarunterricht erforderlichen Lehrkräfte würden sich dann bald finden und diese Vorkehrungen schienen zur Verbesserung des bürgerlichen und sittlichen Niveaus der Israeliten vorläufig ausreichend. Die Errichtung eines Instituts zur Heranbildung fähiger Lehrer in der mosaischen Religion, im jüdischen Sittengesetz, der hebräischen und rabbinischen Sprache und Literatur konnte aber dem wohl nicht mehr fernen Zeitpunkt vorbehalten bleiben, wo wegen der Verhältnisse der Juden im Großherzogtum überhaupt die dringend notwendigen höheren Bestimmungen eintreten würden (an Altenstein 13. Mai 1827). Das P.S.K, ergänzte den Bericht am 25. Juli dahin, daß dem übermäßigen Andrang jüdischer Kandidaten durch die Aufnahme von nur vier solchen jungen Leuten vorgebeugt werden konnte. Bevor aber dieser Vorschlag an seine Adresse gelangt war, hatte der starre Geheimrat v. Kamptz im Namen des Ministers am 13. Juli entschieden, daß auch ferner Juden der Zutritt zu den christlichen Anstalten versagt bleiben müsse, „da die Erfahrung bisher gelehrt hat, daß Versuche dieser Art fast unter allen Bedingungen dem Mißlingen ausgesetzt sind". Wenn die anstellungsfähigen Juden in der Provinz dem Bedarf nicht genügten, müßte die Heranbildung von Anwärtern bei Instituten der Nachbargebiete erfolgen. In Wirklichkeit war damit ausgesprochen, daß alles beim Alten verbleiben sollte10). Erst ein Jahrzehnt später schnitt der verdienstvolle Direktor des Posener Schullehrerseminars, N e p i 11 y, die Ausbildungsfrage der jüdischen Lehramtskandidaten abermals an, weil mit den sich steigernden Anforderungen der Regierung sich die Gesuche solcher Männer um Zulassung zu seiner Anstalt immer mehr häuften (an d. P.S.K. 21. Februar 1835). Er hatte ihnen bisher in der Regel stattgegeben, doch zwei daraus erwachsende Übelstände zwangen ihn, in Zukunft dem Eintrittschranken zu setzen. Wenn denGesuchstellern nämlich die vollständige und dauerndeTeilnahme am Unterricht zur Pflicht gemacht wurde, ergab sich bei der anschwellenden Besuchsziffer der Anstalt mit ihren höchst mangelhaft vorbereiteten 102 christlichen Insassen für die ohnehin arg 310