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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 309

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen
Date
1930-01-01
Page
Seite 309 (sequence 6)
Language
German
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Manfred Laubert. Zur Entwicklung des jüdischen Schulwesens in der Provinz Posen Je wichtiger und notwendiger die projektierte Anstalt für Posen war, um so mehr mußte von Anfang an auf eine zweckmäßige Einrichtung gesehen werden, damit sie wenigstens nicht mit Vorurteilen und offenbarem Widerwillen zu kämpfen brauchte. Das erforderte weiter große Vorsicht bei der Wahl des Leiters. Bocks Prüfung sollte sich deshalb nicht auf Kenntnisse und Geschicklichkeit, sondern auch auf seine Lehrgabe und Charaktereigenschaften erstrecken, durch die er sich das Vertrauen oder mindestens die Achtung seiner künftigen Zöglinge und der Gemeinden zu erwerben vermochte. Auf etwaige Eingabe um Anstellung war ihm zu eröffnen, daß es hierzu an Fonds mangele, aber durch Zuweisung durchgefallener jüdischer Kandidaten zur Erteilung von Nachhilfeunterricht ihm möglichst Unterhalt gewährt werden sollte, bei welcher Gelegenheit man ihn zugleich näher kennen lernen konnte. Obwohl diese Bedenken viel Wasser in den Wein froher Unternehmungslust des P. S. K. gössen, verfolgte dieses die Sache eifrig weiter. Es regte andere Behörden zur Unterstützung an und zog Erkundigungen ein. Die Magdeburger Regierung berichtete, daß sittliche Bedenken gegen Bock nicht beständen, dagegen auch bei ihm die seiner Nation meistens anhaftenden Schwächen vermutet werden durften. Nach dem Urteil des Oberbürgermeisters war er „von Zudringlichkeit, von der Sucht, seine Gegner zu verkleinern und von echt israelitischer Eitelkeit der sog. aufgeklärten Partei seiner Nation" nicht frei zu sprechen. Er besaß einen unter Juden seltenen Grad von Kenntnissen, aber es war zweifelhaft, ob seine pädagogischen Talente zur Ausbildung künftiger Lehrer hinreichten. Er hatte nach dem Ausfall der Prüfungen fast nur das Gedächtnis der Schüler beansprucht9). Inzwischen war auf Veranlassung Baumanns durch die Landräte bei 114 jüdischen Gemeinden angefragt worden, ob und auf wie lange sie Beiträge zur Einrichtung und Erhaltung eines Seminars zum Behuf der Ausbildung jüdischer Volksschullehrer mit besonderer Berücksichtigung des Hebräischen und Talmuds zeichnen wollten? Da nach Bocks zweckmäßigem Entwurf 329 r. für die erste Einrichtung und 853 für den Jahreshaushalt erforderlich waren, nach dem kümmerlichen Ergebnis der Anfrage bis April 1827 aber nur 193 r. auf 1—10 Jahre zusammenkamen, am meisten aus Kempen (50 r.), während Bromberg, Inowrazlaw, Gnesen sich gänzlich versagten, war dem Projekt der Todesstoß versetzt. Auch die Zuversicht der Posener Behörde war fühlbar abgekühlt. Sie stellte sich in ihrem Urteil über Bock jetzt nicht günstiger als die Magdeburger und erachtete es bei der schon aus den geringen Beiträgen ersichtlichen Abneigung der Judengemeinden für bedenklich, ihn selbst bei Bestehen der Prüfung mit der Seminarleitung zu betrauen. Auch in der Provinz war, so viel man wußte, kein qualifizierter Mann vorhanden, nachdem der tüchtigste Lehrer, Arnheim in Fraustadt, seinen Posten kürzlich aufgegeben hatte, da der Schulvorstand ihm sein Gehalt nicht zahlte. Mit der Berufung des Vorstehers aus einer anderen Provinz war die Schwierigkeit der Dotierung nicht behoben, und wer mit dem Geist der Posener Juden einigermaßen ver- 309

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